Vor einem halben Jahrhundert gehörten noch Visionen wie der kleine Atomreaktor in den Kellern der Einfamilienhäuser oder die Atom-Autos, die man jahrelang nicht tanken muss zum Alltagsgespräch. Heute wird über solche Fantasien nur noch geschmunzelt.
Doch das abenteuerlich klingende „schwimmende Kernkraftwerk“ ist eben kein solches Hirngespinst. Unter strenger Geheimhaltung hat auf der russischen Werft Sewmasch der Atomkonzern Rosenergoatom mit dem Bau eines Schiffes begonnen, welches in aller Voraussicht ab 2010 als mobiles Atomkraftwerk dienen wird.
Am Meer gelegene Städte, die auf Grund ihrer Lage schwer zu versorgen sind, könnten von dem schwimmenden Kraftwerk Ihren Strom beziehen. Dazu gehören beispielsweise Städte am russischen Nordmeer. Der 300-Millionen-Prototyp soll zur Stromversorgung der Werft genutzt werden, die ihn jetzt baut. Eine Reihe von Staaten hätten bereits Interesse an den See-Kraftwerken bekundet, darunter China, Namibia, Südkorea und Indonesien.
Das Atomkraft-Schiff wird 144 Meter lang und 30 breit sein – An Bord sollen zwei Reaktoren vom Typ KLT-40S eingebaut werden, jeweils mit einer Leistung von 60 Megawatt. Reaktoren dieses Typs kommen bereits auf russischen Atomeisbrechern zum Einsatz, der Schritt zum schwimmenden Kraftwerk sei daher gar nicht so groß. 200 000 Menschen soll das Schiff mit Strom versorgen können. In südlichen Gefilden mit Wassermangel könnte es auch zum Einsatz als Meerwasserentsalzungsanlage ausgerüstet werden und mit Trinkwasser statt Energie versorgen.
Verfasst von toptarif