Italienisches Finanzministerium veröffentlicht Steuererklärungen im Internet

Zur Abschreckung von Steuerbetrügern hat das italienische Finanzministerium kurzerhand die Einkommenssteuererklärungen von ca. 38 Millionen Bürgern ins Internet gestellt.

Die Seite stieß auf so viel Interesse, dass sie zeitweise überlastet und daher nicht mehr zugänglich war. Die spannende Frage, wie viel Geld der Nachbar oder auch Prominente zur Verfügung haben, beschäftigte offenbar halb Italien.

Neben den Steuererklärungen aus dem Jahr 2005 waren auch die dazu gehörigen Namen, Adressen und Geburtstage aufgelistet worden. Dies öffnet Erpressern und Einbrechern wiederum im wahrsten Sinne des Wortes Tür und Tor – wissen sie doch nun anhand der finanziellen Verhältnisse und Adressen genau, wo ein Einbruch sich lohnen würde.

Die Offenlegung geschützter Daten war erst kurz zuvor Wahlkampfthema und vermutlich auch ein Grund für die Wahlniederlage Prodis gewesen. Dessen gerade abgewählte, aber noch amtierende Regierung ist es nun, die sich auf diese Weise von ihren Nicht-Mehr-Wählern verabschiedet.

Mittlerweile protestieren immer mehr Betroffene und auch ein Datenschutzbeauftragter gegen die Offenlegung der Daten. Nach nur einem Tag wurde die Seite aus dem Netz genommen, die Schadenersatzforderungen in Gesamthöhe von 20 Milliarden Euro laufen jedoch jetzt erst an.

Dabei war die Aktion doch ursprünglich nur gut gemeint. So äußerten sich der Vize-Finanzminister Vesci und der Leiter der Finanzbehörde Romano einstimmig auch im Nachhinein noch sehr verwundert: Das Problem der empörten Bürger können sie nicht nachvollziehen. Die Veröffentlichung der Daten sei von öffentlichem Interesse und letztlich eher ein Zeichen der Demokratie und Transparenz.

Ursprünglich habe man sogar geplant, die Informationen bereits im Januar zu veröffentlichen und sich nur wegen des damals stattfindenden Wahlkampfes dagegen entschieden.

Auch wenn die Daten inzwischen wieder von der Homepage des Finanzamts entfernt wurden – im Internet kursieren sie weiterhin: Einige Menschen hatten sie noch rechtzeitig heruntergeladen und auf anderen Seiten veröffentlicht.

4 Antworten zu Italienisches Finanzministerium veröffentlicht Steuererklärungen im Internet

  1. Katzenauge sagt:

    Wow, das nenne ich einen verantwortungsvollen Umgang eines Staates mit den Daten der eigenen Bürger. Kann diesem Staat auch nur ein Bürger noch in irgendeiner Form vertrauen?! Warum wurde das italienische Finanzamt nicht schon längst von Datenschützern entmündigt?

  2. leo sagt:

    Da muss sich die Mafia aber warm anziehen, nicht dass jetzt jeder weiß, wieviel sie verdient.

  3. Christine sagt:

    In Großbritannien gehen die Daten auf einem Laptop verloren. In Italien werden sie gleich im Internet veröffentlich. Da scheint der Datenschutz in Deutschland ja (bislang) noch richtig gut zu funktionieren.

  4. Linda sagt:

    Und die in Lichtenstein machen es gleicht richtig und verkaufen die Daten meistbietend.

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