Energieausweise – besser nicht aus dem Netz beziehen

Zum 1. Juli wird es für Hausbesitzer, deren Haus vor 1965 erbaut wurde, Pflicht, einen Energieausweis vorzulegen. So schreibt es die Energiesparverordnung (EnEv) vor. Eine gute Geschäftsmöglichkeit für Bauernfänger aller Art, die zur Zeit im Internet den Energieausweis für kleines Geld zum Selbstausfüllen anbieten. Mal abgesehen davon, dass der Hausbesitzer auf diese Weise angeben kann, was er will und die Glaubhaftigkeit damit generell zu bezweifeln ist, hat die Verbraucherzentrale NRW jetzt heraus gefunden, dass fast alle Energieausweise im Netz nicht nur unseriös, sondern auch unvollständig sind. Nur zwei der im Internet angebotenen Pässe fragten überhaupt alle 14 Kriterien ab. Vor der Ausstellung eines Energieausweises sollte der Hausbesitzer also überprüfen, ob der Anbieter überhaupt berechtigt ist, solche Ausweise auszustellen. Denn wer einen ungültigen oder fehlerhaften Ausweis vorlegt, dem drohen Strafen bis 15.000 EUR. Bis zum 30. September 2008 gibt es noch eine Wahlfreiheit für Hausbesitzer, ob diese sich einen günstigen, wenig aussagekräftigen “bedarfsorientierten Ausweis” ausstellen lassen oder den etwas teureren, aber wasserdichten “verbrauchsorientierten Ausweis” wählen. Für Gebäude, die nach 1965 erbaut wurden, gilt die Ausweispflicht ab dem 1. Januar 2009. Nur wer seine Immobilien selbst bewohnt, braucht keinen Ausweis. Sinn des Ausweises ist es, Hausbesitzer dazu zu verpflichten, das Haus möglichst energieeffizient zu gestalten. Das ist besser für die Umwelt und für den Geldbeutel der Bewohner. Bewohner von energiefressenden Häusern greifen tiefer in die Tasche. Da hilft nur, das eigene Energieverbrauchsverhalten zu optimieren und sich ständig bei Vergleichsportalen wie TopTarif schlau zu machen, ob es die teure Energie woanders vielleicht günstiger gibt.

14 Antworten zu Energieausweise – besser nicht aus dem Netz beziehen

  1. Gudrun S. sagt:

    hört sich kompliziert an. dass theoretisch jeder so einen energieausweis ausstellen kann (auch wenn er nicht dazu berechtigt ist), war mir neu.

  2. Rene sagt:

    Nicht jeder darf so einen Ausweis ausstellen, der Link hinter dem Wort “berechtigt” erklärt wer berechtigt ist. Leider sind die meisten Verbraucher bisher nur nicht informiert, wer ausstellen darf und fallen auf Internetseiten rein, die behaupten sie wären kompetent und berechtigt. :-(

  3. Rookee sagt:

    Manchmal hat man ja auch Glück. Zigaretten aus Polen sind viel billiger, dafür aber genau so schädlich :)
    Generell ist der Energieausweis aber eine Erfindung, auf die die Mieter schon lange gewartet haben. Endlich mal eine sinnvolle Neuerung.

  4. Kati A. sagt:

    ich denke, man sollte wohl generell vorsichtig sein, wenn man im internet etwas kaufen will. betrüger gibt es ja überall, aber im internet sind sie anonymer und viele leute sind sehr unvorsichtig im internet.

  5. energiepass sagt:

    es ist relativ einfach, zu überprüfen, ob ein Anbieter berechtigt ist, Energieausweise auszustellen. Ein schon ziemlich sicherer Weg (und insofern einfach, dass man nicht selbst die Qualifikation nach ENEV abfragen muss) ist eine Nachfrage, ob der Aussteller bei der Deutschen Energieagentur (dena) gelistet ist. Wenn ja…gibt es dazu einen link und man kann das selbst kurz überprüfen. Die dena listet erst nach erfolgtem Qualifikationsnachweis.
    Ansonsten ist die Online-Erstellung wie auch die telefonische Datenerhebung ausdrücklich zulässig. Das vereinfachte Verfahren zur Datenerhebung wurde mit der Absicht eingeführt, Hauseigentümer vor hohen Kosten in Verbindung mit der Ausweispflicht zu bewahren.
    Das Risiko, letztendlich einen unvollständigen oder falschen Ausweis zu bekommen, ist bei einer direkten Beratung im übrigen auch nicht niedriger….es hängt schlicht und einfach von der Eignung des Ausstellers ab.

  6. toptarif sagt:

    Vielen Dank für diese ausführliche Antwort und den Hinweis auf die Dena. Ist die Dena ein staatliches oder privates Unternehmen? Das Impressum gibt darüber leider keine Auskunft.

  7. energiepass sagt:

    dena klingt irgendwie staatlich…ist es aber nicht.
    Die dena ist eine ganz normale GmbH…auf dem von ihr eingeführten und jhrelang begleiteten Energiepass ist fast 1:1 der Energieausweis entstanden.
    Die dena hat dabei auch die benchmarks für die Qualifikation der Aussteller entwickelt, die sich letztlich in der Enev wiederfinden.
    Gelistet wird man bei der dena nur nach ausführlicher Eingngsprüfung der Qualifikationsnachweise.
    Natürlich sagen solche Nachweise nicht alles, manche Zulassungskriterien sind zumindest diskussionswürdig. Z.B. glaube ich nicht, dass Beschäftigte des Baustoffhandels nach einem Crashkurs eine vollwertige Beratung liefern können. Ich selbst war Dozent im Programm Gebäudeenergieberater im Handwerk …und kann mir auch dort nicht vorstellen, dass diese Lehrgänge zu vollwertigen Beratungsleistungen befähigen. Sicher gibt es da positive Ausnahmen…aber die muss man wie überall finden, durch Empfehlungen und Referenzen.

  8. toptarif sagt:

    Die Dena ist demnach als seriös einzustufen. Bei der Höhe der zu erwartenden Bussgelder finde ich es allerdings Besorgnis erregend, dass so eine große Unklarheit über die Regeln und Kriterien herrscht. Sind Sie Energieberater bzw. Betreiber der Webseite, die Sie hier verlinkt haben?

  9. energiepass sagt:

    Naja…das sind erstmal Hausnummern, die genannt wurden. Mir ist bisher noch kein Fall aus der Praxis bekannt, in dem ein Bußgeld ausgesprochen wurde.
    Ja..ich bin als Energieberater tätig und stelle auch Ausweise aus.
    Zur Unklarheit kann ich soviel sagen: Da spielen verschiedene Dinge eine Rolle:
    Verschiedenste Verbände und Institute haben über Jahre hinweg für viel Geld Energieberater ausgebildet, die fest daran glauben, mit einem zwangseingeführten Energiepass eine sichere Existenz führen zu können.
    Andererseits ist klar, dass nicht jeder Hauseigentümer zu einer Komplettberatung für 500…2000 Euro zu verpflichten ist… Deshalb wurde das vereinfachte Verfahren geschaffen, in dem Hauseigentümer Daten selbst zuarbeiten können. Dieses verfahren ist ausdrücklich gewollt für Eigentümer, die preiswert ihrer Informationspflicht nachkommen wollen aber nicht unbedingt auch eine Energieberatung möchten oder sich leisten können. Tiefensee hat dies ja ausdrücklich kommuniziert.
    Nun laufen viele Energieberater, Architekten etc. natürlich Sturm gegen diese preiswerten Angebote, da die schöne heile Welt der zwangsverordneten beratungseinkünfte zusammenzubrechen droht.
    Natürlich fehlt es vielen Onlineangeboten an Transparenz und teilweise auch an Qualität. Das selbe Problem gibt es aber auch bei den “leibhaftigen” Beratern.

  10. toptarif sagt:

    Ob nun virtuell oder im echten Leben, die Bauernfänger sind überall? Wahrscheinlich haben Sie Recht. Finde es aber besorgniserregend, dass es so wenig Transparenz herrscht und es wenig gute Internetangebote gibt, die verständlich erklären, um was es geht. Ihre Seite natürlich ausgenommen. ;-)
    Wenn der Staat solche Gesetze erlässt, sollte der Staat doch auch aufklären, wie diese Gesetze zu verstehen sind und auf was der Hausbesitzer achten sollte.

  11. energiepass sagt:

    Danke für das Vertrauen..aber wir sind auch noch meilenweit von der Perfektion entfernt ;)
    Man lernt jeden Tag mit und von den Kunden, dass man irgendwo einen Fehler macht oder noch etwas verbessern kann. So muss sich auch der Energieausweis noch entwickeln.
    Überall. damit stehen wir ja noch ganz am Anfang.
    Die gesetzlichen Grundlagen der Ausweiserstellung sehen eben nun mal keinen eineindeutigen Berechnungsweg vor…den gibt es wohl auch nicht. Es gibt praktisch an jeder Stelle der Ausweisermittlung Punkte, die mit fachlichem Sachverstand bewertet und entsprechend eingearbeitet werden müssen.
    So gibt es beim Leerstand lediglich die Anforderung, dass er angemessen berücksichtigt werden muss. Gleiches gilt für die Wichtung von Abechnungsperioden, die von 365 Tagen abweichen.
    In der aktuellen Diskussion wird den Menschen immer wieder suggeriert, dass es nur eine ganz klare Interpretation der ENEV bei der Ausweiserstellung gibt..und das ist falsch.
    Beim bedarfsausweis ist das ja noch viel extremer, wird aber nirgends kommuniziert. Eine alte Fachwerkbude lässt sich doch garnicht exakt rechnerisch erfassen, da die Wandaufbauten total inhomogen sind…gleiches gilt allgemein für Dächer. Die Bauteilfeuchte, die erheblichen Einfluss auf das Wärmeleitverhalten von Wänden hat, kann praktisch auch nicht berücksichtigt werden. In der Regel wird nach dem vereinfachten Verfahren des ENEV-Nachweises (Bedarfsausweis) auf standardmäßig hinterlegte Wandaufbauten und eizanlagenkonfigurationen zurückgegriffen…die mit der Realität auch nicht sooo viel zu tun haben. Die Ergebnisse sind tendenziell richtig und ermöglichen einen entsprechenden Vergleich von Varianten (der Modernisierung)..aber sind nie und nimmer ein exaktes Abbild der Realität, wie man in aktuellen Beiträgen immer wieder vermuten lässt.
    Ich rate eigentlich zu etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit dem Energieausweis. Beide Arten haben ihre Berechtigung. Insgesamt ist der Ausweis ein Fortschritt zur bestehenden Situation und gibt tendenziell ein recht gutes Bild über die energetische Situation des Hauses, obgleich man die Rechenergebnisse nicht auf die Goldwaage legen sollte.
    Ich gehe davon aus, dass sich die durchschnittliche Qualität der Ausweise mit der Zeit verbessern wird. Hochqualitative Anbieter in allen Preisgruppen werden sich durchsetzen…vorausgesetzt, der Kunde legt dieselbe Wachsamkeit an den Tag wie beim ganz normalen Einkauf oder bei anderen Dienstleistungen.

  12. toptarif sagt:

    Bitteschön!:-) Es ist kein Vertrauen, auch nicht die Annahme das Ihre Seite perfekt ist, es ist meine Meinung nachdem ich viele Seiten zum Thema Energiepass besucht und gelesen habe. Das ein Gesetz so schwammig formuliert ist, stiftet natürlich Verwirrung. Zu sehr ist man gewöhnt das es nur schwarz oder weiß in der Gesetzgebung gibt und ausbaden dürfen es dann wohl die Berater. Das hoffe ich, dass sich der Energieausweis etabliert und er irgendwann auch verständlich und kurz darstellt, was einen Bewohner erwartet, wenn er das Haus zum Ausweis bezieht. Vielen Dank nochmal für die ganzen Fakten in den Kommentaren, das ist eine echte Bereicherung für den Beitrag hier.

  13. energiepass sagt:

    Danke! ;) Also eine wichtige Information enthält ja jeder Ausweis: Name und Adresse des Ausstellers. Sollte es Zweifel an oder Unsicherheit über die Angaben geben, dann sollte man sich auch nicht scheuen, den Aussteller damit zu konfrontieren.

  14. Hi guter Beitrag ;-) . Zu dem Thema führe ich einen Blog rund um Energie sparen etc. den findest du unter stanu.de

    viele Grüße
    Jens ;)

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