Die Taiga: keine Straßen, aber DSL

Das Nahverkehrsnetz in Deutschland ist gut ausgebaut, sogar auf dem Land werden Straßen geteert, Straßen mit Schildern ausgestattet und auf die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung gepocht. Das ist in Russland etwas anders. Der Bürgermeister des hessischen Ortes Hohenstein, Hans-Jürgen Finkler,reiste als Mitglied einer Delegation in die Taiga. Dort versteht man unter Straßenbau etwas anderes als in Hohenstein. Unbefestigt sind sie, die Landstraßen, und öffentliche Busse haben einen Flair von UdSSR. Aber der Schein trügt. Wie Finkler feststellen durfte, liegt die Innovation unter der Oberfläche oder noch besser in den Kindern der Taiga. Sogar in einem kleinen Dorf wie Lubim mit gerade mal 6000 Einwohnern gibt es DSL für alle. Es werden Prioritäten gesetzt in der Taiga, es wird in die Zukunft investiert – nicht nur in den schönen Schein. Bürgermeister Hans-Jürgen Finkler wunderte sich nur, kämpft er doch schon lange für flächendeckendes DSL in seiner Region. Noch mehr staunte der deutsche Bürgermeister, als er eine Schule in Jaroslawl besuchte. Selbstverständlich gibt es auch hier DSL für die Kinder. Die Gruppen sind klein und für 26 Schüler und neun Kindergartenkinder stehen fünf Lehrer und eine Erzieherin zur Verfügung. Die Schulklassen altersmäßig gemischt. Die Schüler sind zwischen sechs und vierzehn Jahren alt und werden nicht nur aus Notwendigkeit, sondern wegen eines durchdachten pädagogischen Konzepts zusammen unterrichtet. So kann jeder jedem helfen. Schulklassen und Lehrer funktionieren eher als Familienverbund, denn als reine Lehr- und Lerneinheit. Die Schulklassen sind stolz auf das Erreichte und voller Begeisterung bei der Sache.
Finkler war geplättet und überrascht über die gute und leistungsorientierte Stimmung in der Klasse. Da könnten sich die Deutschen etwas abschauen. Kleine, motivierte Klassen, DSL für alle. Die Zukunft gehört den Kindern und vor allem der Bildung. Vielleicht lag es am Wodka, aber Herr Finkler und der Bürgermeister von Lubim, Alexander Koshkin, planen weitere Treffen. Man kann von einander lernen und sich gegenseitig unterstützen – auch ohne Wodka und gut ausgebautes Verkehrsnetz. Durch Datenautobahnen erreicht man Ziele sowieso viel schneller als über die Autobahn.

11 Antworten zu “Die Taiga: keine Straßen, aber DSL”

  1. Motzki sagt:

    Die russischen Kinder werden anscheinend auf jeden Fall besser auf die Zukunft vorbereitet, als die Kinder der Industrienation Deutschland. Hierzulande hat ja leider kaum ein Lehrer eine Ahnung, wie das mit diesem mysteriösen DSL überhaupt funktioniert…

  2. Kathrin sagt:

    @ Motzki: … oder das mit diesem mysteriösen computer… auch schon schwierig genug! meine computerlehrerin (hat nen fortbildungskurs gemacht und hatte danach so viel ahnung wie vorher) hat uns immer, wenn sie nicht weiter wusste (und das war alle paar minuten ;-) ) dazu geraten, den „power-knopf“ zu drücken! soviel zum thema computer und industrienation…

  3. DavidZ sagt:

    @Kathrin: *lol* Aber das Essentielle hat sie verstanden, – wenn gar nichts mehr geht, einfach booten. ;-)

  4. Franzi sagt:

    Finde ich richtig gut. Das Geld wäre auch hier da, es ist nur eine Sache der Prioritäten.
    In Deutschland gibt es ja die Initiative Schulen ans Netz nur wer schickt die LehrerInen vor?

  5. rudi71 sagt:

    wahnsinn. und das in einer ecke der welt, in der man das zuletzt vermutet – eine gute freundin von mir war als freiwillige lehrerin für ein jahr in uganda und sollte dort in ihrer klasse IT unterrichten. computer war allerdings keiner da…

  6. Doris sagt:

    Da scheint uns Uganda ähnlicher zu sein als die Deutschen dachten. ;-)

  7. rudi71 sagt:

    warum, hast du auch öfter mit kobras im hauseingang zu kämpfen? das war dort wohl echt ein problem :-)

  8. Doris sagt:

    *gg* Nein keine Cobras nur Telekomiker die nie kommen, wenn man sie bestellt. ;-)

  9. Caroline sagt:

    Ja, oder sie kommen „zwischen 8 und 15 Uhr“, hatte ich erst letzte Woche wieder. Man kann sich ja dann auch nicht aus seiner Wohnung fortbewegen, bis sie um 14.45 endlich klingeln…

  10. Agnes sagt:

    Das kenne ich auch Termin zwischen 7-14 Uhr, ich stehe extra früh auf, sitze ab 7 auf heißen Kohlen. Wann kommt der Kerl? 13:30…..toll!

  11. Caroline sagt:

    ist doch standard ;-)

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