Zuerst verabschiedete sich 2007 der haushaltspolitische Sprecher der Grünen, Oswald Metzger, mit einem Parteiausstieg und kurz darauf legte Staatssekretärin Magareta Wolf ihr Mandat nieder. Metzger landete bei der CDU – aber nicht, ohne vorher seine Prominenz zu nutzen, um sich gegen seine ehemalige Partei zu profilieren. Wolf wählte den höflichen Ausstieg. Sie machte kein Medienspektakel und bedankte sich förmlich in einem Brief, „dass es ein wirklicher Diskurs war, der die Basis für eine rationale und vor allem gute Debatte über eine grüne Marktwirtschaft gelegt hat.“ Nach ihrem Ausstieg wechselte sie zum Beratungsunternehmen „Deekeling Arndt Advisors“, bei dem sie als Beraterin auch Aufträge der Kernenergie betreut. Während Metzger öffentlich hart kritisiert wurde, blieben die Reihen der Grünen im Fall von Margareta Wolf weitestgehend still. Dabei ist der Atomausstieg den Grünen heilig – also wie kann es sein, dass ihre Staatssekretärin die Lager wechselt? Jürgen Trittin ihr ehemaliger Vorgesetzter, sagte, dass er sie bei einer solchen Lobbyarbeit wahrscheinlich entlassen hätte. Margareta Wolf äußerte sich ebenfalls, dass gerade bei der Diskussion um den Atom- und Kohleausstieg „der diskursive Ansatz in den letzten drei Jahren merklich an Relevanz verloren hat“ und weiter, dass sich die „Partei- und Fraktionsführung gegen die zugespitzte offene Diskussion“ entschieden habe. Der Bundesvorsitzende von Bündnis 90 / Die Grünen, Reinhard Bütikofer, hält diese Kritik an den Grünen für ein wenig mimosenhaft. Die grüne Bundestagsabgeordnete Brigitte Pothmer kritisiert die Aussagen von Margareta Wolf und fügt hinzu, dass Wolf die „zugespitzte Diskussion“ über Energie und Atomkraft nicht gesucht habe und dass es keine einzige Äußerung von Wolf gegeben habe, dass die Grünen das aktuelle Energieszenario nochmal überdenken sollten. Weiter bestritt Pothmer, dass es jemals Ziel der Grünen gewesen sei, bis 2020 aus der Atom- wie auch aus der Kohlekraft auszusteigen. Bis zum Jahr 2020 hätten die Grünen einen konventionellen Energieanteil von 30 Prozent vorgesehen. Eine Frage, die da offen bleibt, ist, ob das Thema Atomausstieg die mögliche Schwarz-Grüne Koalition scheitern lassen wird. Denn obwohl der Neubau von Kernkraftwerken auch bei der CDU nicht beliebt ist, könnten die Grünen auf die Möglichkeit der Laufzeit-Übertragung von alten auf neue Atommeiler hinweisen. Atomkraft wird auf jeden Fall Wahlkampfthema werden.
Wundert mich nicht, dass Wolf nicht die Diskussion über die Atomkraft gesucht hat, als sie noch bei den Grünen war. Das wäre ja, als wenn ein CDU-Politiker in seiner Partei eine ernsthafte Debatte über die Einführung des Sozialismus suchen würde…
Bei dieser Debatte wäre ich gern Mäuschen.
Auffällig ist aber in der Tat, dass in letzter Zeit andauernd irgendwelche Grünen-Politiker die Partei vrlassen und wirklich zum diametral entgegengesetzten Konkurrenten wechseln. Da frage ich mich, warum diese Leute den Grünen überhaupt erst beigetreten sind…
@Rookee: Weil sie noch Illusionen hatten als sie jung waren?
oder um später medienwirksam der eigenen ex-partei schaden zu können?
Wer weiß, wer weiß aber ich denke das sie auf jeden Fall nicht ohne Grund diesen Job bekommen hat.
@Vanessa
Illusionen oder Visionen? Ich glaube nicht, dass alle grünen Positionen nur Illusionen sind. Der Atomausstieg ist beispielsweise quasi beschlossen, auch wenn einige Unionspolitiker nach wie vor den Zwergenaufstand proben.
Und wie wurden die Grünen beschimpft, als sie in den 90ern einen Benzinpreis von 5 Mark ins Gespräch brachten. Als komplett realitätsferne Phantasten wurden sie bezeichnet. Ich glaube, jeder kennt die heutigen Benzinpreise, die nah dran sind.
Und selbst wenn es Illusionen waren, so kann man diese verlieren, das ist klar. Doch dann ins genaue Gegenteil umzuschwenken ist eine andere Sache, das ist schon eine bewusste Entscheidung und passiert nicht einfach so.
Dann haben die Grünen nur gelernt, das man sich mit der Realität nur unbeliebt macht und den Wahlkampf verliert? Siehe Benzinpreise? Da kann man ja nur hoffen, das sie es halten wie sonst andere Parteien mit dem Wahlversprechen. Es wird das versprochen, was der Wähler hören will und wenn man gewonnen hat, macht man genau das Gegenteil. In diesem Kontext finde ich es natürlich klasse, wenn die Grünen jetzt für Atomkraft sind.
@Kati: ganz schön zynisch! naja, denke auch, dass ein großteil der politiker so tickt. aber die grünen sind ja alles andere als für die atomkraft. das haben sie auch meines wissens nie behauptet. ganz im gegenteil! siehe trittin, der jetzt schon eine koalition mit der cdu ausschließt, falls die bei ihrer meinung bleiben sollten…
So ist es. Die Grünen stehen leider nicht für Atomkraft. Also “leider” in dem Sinne, dass immer das Gegenteil eintritt…(puuhhhh, ganz schön kompliziert *gg)
Um die Ecke denken hält den Kopf fit.
@Mia: Das glaube ich erst, wenn die Wahl vorbei ist.
Zumal man sich fragen muss, ob Trittin bei den Grünen überhaupt noch etwas zu sagen hat…ich glaube aber auch nicht, dass es eine Rückkehr zur Atomkraft geben wird. Die Probleme, die vor dem Ausstiegsbeschluss bestanden, bestehen ja nach wie vor, vor allem die Endlagerung. Es gibt weltweit kein einziges funktionsfähiges Endlager, aber es sind 100 neue Atomkraftwerke in Planung, das muss man sich mal vorstellen. Eigentlich hat der Mensch diesen Planeten nicht verdient…
Klar hat er ihn nicht verdient, aber bisher hat ihn keiner aufgehalten sich zum Herrscher zu machen. Na ja ich glaube die Natur wehrt sich, siehe dieser “Sommer”, die Rache kommt halt langsam, – aber gewaltig.