Kohlekraftwerk ist pro Kohle

Wenn einer eine Umfrage startet, sollte er sich vorher genau überlegen, wer sich daran beteiligen darf. Die Zeitung „Schwäbisches Tagblatt“ berichtete, was passieren kann, wenn eine Umfrage über den Weiterbetrieb von Kohlekraftwerken öffentlich und zugänglich für jeden gestaltet wird. Am Montagmorgen um 4:34 Uhr war die Welt noch in Ordnung. Der Server in Brunsbüttel hatte eine ruhige Zeit und das Abstimmungsergebnis über die Zukunft der Tübinger Stadtwerke schien noch offen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren lediglich 31,6 Prozent der Abstimmenden für den Weiterbetrieb der Kohlekraft, dagegen 17,1 Prozent für Windkraft, 16,4 Prozent für ein lokales Energieprojekt und die Mehrheit mit 34,9 Prozent für regenerative Energien allgemein. Doch ab 10:51 Uhr wurde der Server gestürmt und im Sekundentakt wurden Pro-Kohlekraftwerk-Stimmen abgegeben. In kürzester Zeit stiegen die Kohlekraftwerksstimmen so von 31,6 Prozent auf über 65 Prozent.
Was war passiert? Ganz einfach: Der Geschäftsführer der Stadtwerke hatte seine 280 Personen starke Belegschaft aufgefordert, sie möge sich an der Abstimmung beteiligen. Auf Nachfrage, ob es sich damit nicht um eine grobe Manipulation handele, begründete er seinen Aufruf: „Bei Entscheidungen über die Zukunft der Stadtwerke sollten auch Mitarbeiter der Stadtwerke gehört werden.“ Nächste Woche entscheidet der Tübinger Rat, wie es weiter geht mit der Energieversorgung in Tübingen. Es besteht die Option, sich mit 10 bis 13 Millionen Euro am Bau eines Kohlekraftwerks in Brunsbüttel zu beteiligen. Umweltschützer sind gegen den Bau dieses emissionsstarken Werkes und auch der Stadtrat Anton Brenner ist gegen die Kohle und für Windkraft. Zu groß sei das Risiko der Kostenexplosion bei den herrschenden Steinkohlepreisen und die laufenden Kosten für Wind- und Kohlekraft seien mittlerweile vergleichbar.

21 Antworten zu Kohlekraftwerk ist pro Kohle

  1. green_and_clean sagt:

    warum steht der server des schwäbischen tagblatts in brunsbüttel an der nordsee? man kann outsourcing auch übertreiben…

  2. Schlaumeierin sagt:

    War wahrscheinlich billiger, – Car Sharing war gestern. ;-)

  3. RedKeep sagt:

    Hm, komisch. Als neulich alle möglichen Chinesen von ihrer Regierung! aufgefordert wurden, an einer Abstimmung auf ich glaube tagesschau.de teilzunhemen, wurde hierzulande empört von Manipulation gesprochen. Das Bild des faschistoiden Staates China wurde zemetiert.
    Aber wenn die Energiewirtschaft aus Deutschland so etwas macht, ist das natürlich Zeichen der Demokratie. Und der geschäftsführer stellt sich auch noch dummdreist in die Öffentlichkeit und rechtfertigt so etwas. Unser Land ist so toll und demokratisch, ich kann manchmal gar nicht so viel essen, wie ich … möchte…

  4. Rosam. sagt:

    Mehr essen? Denke das die meisten Umfragen, Statistiken etc. gefälscht sind.
    Schade aber leider Realität, peinlich ist es natürlich wenn es auffliegt.

  5. Franz-Josef S. sagt:

    ja, frei nach dem motto: „traue keiner statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!“, wa?

  6. Rosam. sagt:

    Erfasst! *nickt* :-)

  7. Telse sagt:

    eigentlich könnte man solche abstimmungen auch gleich sein lassen. jedenfalls sollten sich die tübinger davon nicht beeinflussen lsssen. tun sie wahrscheinlich eh nicht. ist nur für die öffentlichkeit, schaut her, alle finden kohle doch toll!

  8. Rookee sagt:

    Hm, wenn man sich die Nachrichten hier auf der Seite so durchliest, finden anscheinend wirklich alle Kohle toll. Zumindest die SPD-Chefin aus Nordrhein-Westfalen…

  9. Bochum sagt:

    @Rookee: In Nord-Rhein-Westfalen ist das ja auch eine Frage von regionaler Bedeutung.
    Wenn die Kohle wegbricht dann stehen hunderte Leute ohne Arbeitsplatz da.

  10. Rookee sagt:

    Naja, die, die da jetzt noch arbeiten, werden mit Milliarden subventioniert. Also auch wenn es asozial klingt: Für den Staat wäre es wahrscheinlich billiger, denen Hartz 4 zu bezahlen. Ich glaube eher, die hoffen, dass der Kohlepreis, der gegenwärtig steigt, die Kohle tatsächlich nochmal rentabel macht.

  11. Bochum sagt:

    @Rookee: Toller Vorschlag, du kommst wohl nicht aus Bochum was? Willst du, dass Bochum in Hartz IV Stadt umbenannt wird? Ich hoffe auf diese neue Technologie CSS oder wie die heißt…

  12. Rookee sagt:

    Immer langsam. Ich komme aus Berlin, also aus der wirklichen Hartz 4 Stadt und war auch selber schon Hartz 4-Empfänger. Ich weiß also, wie das ist. Außerdem war das nicht mein Vorschlag sondern eher eine Darstellung der Politiker-Denke. Demnach kein Grund, hier so aus der Haut zu fahren…

  13. Bochum sagt:

    Wenn du weißt wie das ist, warum möchtest du dann das die Bochumer sich so fühlen?

  14. rudi71 sagt:

    Um mich auch mal einzumischen: man weiss doch seit langem, dass Kohleabbau in Deutschland nur noch ein Zuschussgeschäft ist. Den Leuten einzureden, das sei eine Energieform mit Zukunft, ist doch albern. Das funktioniert vielleicht noch 50 Jahre so, dann ist die Kohle eh zu Ende und das Dilemma ist noch größer…besser gleich was machen1

  15. Rookee sagt:

    @Bochum
    Langsam nervts. Wär schön, wenn du mal lesen würdest, was ich schreibe. Ich habe doch inzwischen klar gesagt, dass das nicht mein Wunsch ist. Wenn du das immer noch nicht verstanden hast, muss ich dich leider fragen, ob dir die Bezeichnung „Troll“ ein Begriff ist…

  16. Bochum sagt:

    In 50 Jahren sind aber alle Kohlearbeiter schon in Rente, in diesem Zusammenhang geht es um ihre Zukunft, auch wenn es längerfristig keine Perspektive ist.

    @Rookee: Troll du dich mal, ich habe verstanden, nur finde ich den Vorschlag den Leuten Hartz IV statt einen Job zu geben, eine Beleidigung.

  17. rudi71 sagt:

    klar sind da die heutigen arbeiter schon in rente, aber das ist doch kein argument! man kann doch in eine branche, von der klar ist dass sie ein auslaufmodell ist, nicht millionen an subventionsgeldern stecken!

  18. Rookee sagt:

    Dann beschwer dich bei den Leuten, die solche Entscheidungen treffen, aber nicht bei mir *augenroll

  19. Bochum sagt:

    Kann man nicht? Doch man konnte, auch bei Nokia. Das Problem beim Kohlebau es lässt sich kein Unternehmen in die Pflicht nehmen das ein Sozialprogramm für die Arbeiter bezahlt. Hartz IV kann keine Lösung sein.

    @Rookee: Die sind leider nicht anwesend, noch habe ich deren Telefonnr. ;-)

  20. Olaf S. sagt:

    Ich denke, jeder kann seinen Teil dazu beitragen, dass man sich von fossilen Brennstoffen trennt. Wenn die Energieversorger irgendwann keine Abnehmer mehr für ihre Kohle und ihr Öl haben, müssen die sich auch nach anderen Brennstoffen umsehen.
    Eine Möglichkeit, komplett weg von Öl und Gas zu kommen, ist eine Kombination aus Pellets-Kessel und Solaranlage. Hier gibts auch ganz detaillierte Infos dazu: http://www.heizen3.de/proklima1.html

  21. Hildegard sagt:

    Achja, wenn man nur Geld hätte, könnte man ganz viel Geld sparen. :-(

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

Gravatar
WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.