Ein Atomkraftwerk in ein Erdbebengebiet zu bauen – diese Idee fanden russische Wissenschaftler schon im Jahr 1984 sehr bedenklich. Die bulgarische Akademie der Wissenschaft bestätigte die Befürchtungen 1990 in einem 500 Seiten langen Bericht und kurz darauf wurde das Bauvorhaben in Belene gestoppt. Doch 2004 hatte man offenbar schon wieder vergessen, was die Experten gesagt hatten – und auch die 120 Toten, die beim Erdbeben 1977 keine 20 Kilometer entfernt ums Leben gekommen waren. Die Gegend sei sicher, behauptet ein neues Gutachten, auf das sich die Regierung beruft. Dieser Bericht wurde von einer privaten Firma für mehrere Millionen Dollar innerhalb von nur drei Monaten erstellt. Abgesehen von dem unrealistischen Zeitrahmen für eine solche Untersuchung fällt auf, dass es laut dem Bericht nie ein Erdbeben in der Region gegeben haben soll. Bisher haben Umweltexperten 200 gravierende Fehler in dem Gutachten gefunden. „Wer zahlt, bestimmt die Musik“ ist ein bulgarisches Sprichwort, welches die Umweltaktivistin Albena Simeonova – im Kontext ihrer Vermutung, dass es sich hier um eine Schmiergeldaffäre handelt – zitiert. Frau Simeonova ist seit Jahren eine aktive Umweltschützerin und so engagiert, dass sie mehrfach bedroht wurde und Greenpeace ihr deswegen vor zwei Jahren einen eigenen Leibwächter stellte.
Ruhig sieht sie aus, die Baustelle in Belene: Ein paar Verwaltungsgebäude, ein Besucherzentrum und Kräne, umrahmt vom Bauzaun. Die Finanzierung stockt. Ursprünglich wollte der staatliche Energieversorger NEK zusammen mit einem ausländischen Investor – wie der belgischen Electrabel oder dem deutschen Unternehmen RWE – zusammen die Kosten von ungefähr 5 Milliarden Euro tragen, doch sehr viele Banken haben ihr anfängliches Angebot zur Finanzierung als zu riskant zurück gezogen. Frau Simeonova hofft deswegen, dass es vielleicht doch nicht zur Fertigstellung des Atomkraftwerks kommen wird. Der versprochene Aufschwung für die Region wäre nämlich unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher wäre, dass Fachkräfte von außerhalb in die Region geholt werden müssten.
Das erinnert mich jetzt irgendwie an Italien und das Müllproblem.
Ein Atomkraftwerk im Erdbebengebiet. Wenn es nicht so dermaßen traurig wäre, könnte man ja noch darüber lachen. Man fragt sich wirklich immer häufiger, was in den Köpfen der Energiemanager vorgeht – nachvollziehbar ist das nicht mehr.
Zitiere da mal Rainald Grebe: “Münzen und Scheine”.
Ja, so sieht es wohl aus. Es gibt wirklich Leute, denen beim Anblick von Geldscheinen alles egal ist. Traurig sowas…
Gibt es da keine Aufsichtsbehörde für? Sonst wird doch alles in der EU geregelt.
So ein Atomkraftwerk ist aus meiner Sicht keine Landessache, sondern eine Sache die alle Nachbarn angeht, die werden ja mit verstrahlt wenn es dann mal ein Beben oder sogar einen GAU gibt.
Jetzt hat RWE den Zuschlag tatsächlich erhalten:
http://www.atomausstieg-selber-machen.de/presse.html?expand=360&cHash=9cc6d66c78
http://www.welt.de/welt_print/article2607767/RWE-plant-Atom-Beteiligung-in-Bulgarien.html