Atommüll in die Mehrwegdose

Gut verpacken, luftdicht abschließen und nach Ewigkeiten einfach wieder auspacken und genießen!
Ähnlich wie die gute alte Plastikdose mit Deckel sollen die Pollux-Behälter für Atommüll funktionieren. Warum wir Pollux-Behälter brauchen? Der Grund liegt in den neuen „Sicherheitsanforderungen an die Endlagerung wärmeentwickelnder radioaktiver Abfälle“, die das Bundesumweltministerium im Internet veröffentlicht hat. Diese Schrift verlangt, dass in Zukunft der Atommüll noch bis zu 1000 Jahre nach Einlagerung zurück geholt werden kann. Nur für den Fall, dass ein Wunder geschieht und zukünftige Generationen einen Weg finden, der es möglich macht, Atommüll unschädlich zu machen oder noch besser wieder zu verwenden – was man hat, das hat man halt. Das hat sich Sigmar Gabriel ganz genau ausgedacht und verteidigt seinen Plan mit dem Argument, dass es mittlerweile international üblich sei, die Rückholbarkeit der Atomabfälle in die Planung mit einzubeziehen. Dass die deutsche Regierung bereits 1983 die Rückholoption wegen zu hoher Kosten und zu hoher Sicherheitsrisiken abgelehnt hat, wurde wohl nach so langer Zeit schon vergessen. Durch die Rückholbarkeit würden nicht nur immense Kosten durch die Jahrhunderte lange Überwachung und Dokumentation der Lager entstehen. Es ist auch davon auszugehen, dass von einem wiederverschließbaren Gefäß ein höheres Risiko von Strahlenabsonderung ausgeht, als von den alten, nicht zu öffnenden Fässern. Aber eigentlich ist diese Frage sowieso nicht relevant, denn in Deutschland sind bis jetzt keine geeigneten Ton- oder Salzhöhlen, die sich für die Endlagerung eignen würden, bekannt. Der einzige Ort, bei dem die Erforschungen aber im Jahr 2000 begründet abgebrochen wurden, ist der Salzstock in Gorleben. Ob nun Gorleben und / oder Pollux-Behälter – Niedersachsen scheint der Mittelpunkt der Atomdiskussion zu sein.

9 Antworten zu Atommüll in die Mehrwegdose

  1. Heinz K. sagt:

    Ob man die Behälter auch statt Tupperdose verwenden kann? Endlich wieder essen wie bei Oma? ;-)

  2. Rookee sagt:

    Zunächst einmal: Ein sehr schön geschriebener Blog-Eintrag, ich musste doch sehr schmunzeln :)
    Schade nur, dass das Thema eigentlich recht ernst ist. Dieses Handeln nach dem Prinzip Hoffnung zeugt leider nicht gerade von Verantwortungsbewusstsein. International üblich ist inzwischen übrigens so einiges – ob man da auf jeden Zug aufspringen muss, ist die andere Frage…

  3. Leonie sagt:

    Um Herrn Gabriel mal was Positives zu unterstellen, vielleicht ist das nur eine Verzögerungstaktik? Denn eigentlich ist er ja für den Atomausstieg, da ist es doch auch eine Massnahme die Endlagerung zu verkomplizieren.

  4. quietscheentchen sagt:

    @Leonie: … oder das Ganze dermaßen ad absurdum zu führen, dass bald keiner mehr das Thema „Ausstieg aus dem Ausstieg“ ernst nehmen kann… coole strategie! :-D

  5. Mia sagt:

    @Rookee: ob herr g. als kind auch immer von seiner mutti gefragt worden ist: „und wenn die anderen kinder aus dem fenster springen – machst du das dann auch???!!!“ hehe

  6. Leonie sagt:

    *lol*@Mia. Aber er scheint was draus gelernt zu haben. ;-)

  7. RedKeep sagt:

    Also ich persönlich halte recht viel von Gabriel. Hier hat er allerdings wirklich danebengegriffen, wenn dieses Gesetz tatsächlich auf seine Initiative zurückgeht. Vielleicht musste er sich aber auch dem Druck der milliardenschweren Atomlobby beugen, wer weiß das schon?
    Verkompliziert wird die Endlagerung ja nicht, das wäre ja nur der Fall, wenn so ein Behälter erst entwickelt werden müsste. Das ist ja aber nicht der Fall.
    Jedenfalls ist davon auszugehen,d ass die Kosten nicht von der Atomlobby, sondern vom Steuerzahler zu tragen sind, während zusätzlich die Preise für Strom immer weiter erhöht werden. Irgendwie ist das ganze doch ein Sumpf, aus dem sich der normale Bürger nicht mehr herausziehen kann. Er wird nur wie eine Kuh gemolken – bis nichts mehr aus ihm herauszupressen ist. Fast schon wie im Mittelalter, nur dass die Prinzen und Grafen inzwischen den Titel Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer tragen.

  8. Heinz K. sagt:

    Aber die Region Niedersachsen würde sicher von der Produktion und dem Verkauf von Pollux-Behöltern profitieren. Doch es wird verkompliziert, weil erstens die Behälter Pflicht würden und zweitens über die 500-1000 Jahre alles dokumentiert und überwacht werden müsste. Wer will das machen und wer bezahlt die Leute dafür? Der Staat, das Stromunternehmer?

  9. Red Keep sagt:

    Also mit Sicherheit nicht die Stomunternehmen. Es wird auf den Staat hinauslaufen und das heißt: Auf den Steuerzahler.
    Abgesehen davon kann man sowieso nicht so lange im voraus planen. Vielleicht gehört in 100 Jahren hier schon alles China ;)

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