Gegen Windräder kämpfen

Don Quijote hätte sich gefreut: Zwar geht es um Windräder und nicht um Windmühlen, aber sein Geist lebt in Frankreich weiter. Wo lebt der Geist von Don Quijote weiter? Im französischen Lothringen, genauer gesagt in einem kleinen Dorf namens Domptail-en-l’Air. Die Gefahr droht von einem Hügel unweit des Dorfes, dort sollen demnächst 16 Riesenwindräder mit einer Höhe von jeweils 140 Metern und einer Leistung von 36 Megawatt entstehen. Dabei geht es den Dorfbewohnern nicht nur um das zerstörte Ambiente, sondern auch um die mögliche Lärmbelastung durch die Windriesen. Direkt am Windrad Flügel beträgt die Lärmbelästigung schon mal 100 Dezibel und diese würden dann Tag und Nacht ertönen. Doch das Dorf ist sich einig, es hat beschlossen: „Wir oder die Windräder“ und droht mit einem Räumungsverkauf. Der Räumungsverkauf betrifft alle Häuser im Dorf. Falls die Windräder kommen, wollen alle Bewohner ihre Häuser verkaufen und damit das Dorf auflösen. Sinn macht das schon, denn wenn die Windräder erstmal stehen, droht den Hausbesitzern ein Wertverlust von bis zu 40 Prozent. Experten sehen kein Problem: Die Geräusche der Windräder würden nicht die erlaubten Grenzwerte überschreiten und die optische Einschränkung sei akzeptabel.
Der Bürgermeister von Froville, einer ebenfalls betroffenen Gemeinde, vermutet, dass die Experten nur zu dieser Meinung kamen, weil sie im Auftrag der Planer des Windparks handelten. Böse Zungen vermuten sogar eine Bestechung der Kommunalpolitiker. Michel Tamburrino, ein Einwohner des Dorfes, genießt aktuell noch seinen „wundervollen Blick bis zu den Vogesen“ und warnt: „Aber mit diesen 140 Meter hohen Maschinen – das würde das totale Massaker.“
Der Bauherr des 50 Millionen Euro Projekts sieht das natürlich ganz anders. Thierry Boivinet vom Eiden-Konzern beteuert, dass alles ganz legal vonstatten gehe: „Das geht doch gar nicht, Geld an gewählte Volksvertreter zu verteilen.“ Und er setzt noch einen drauf: Mit den Windrädern sei es so eine Sache – „manche finden sie schön, andere gar nicht.“ Das sieht Michel Tamburrino ähnlich. Die Dorfbewohner hätten generell ja nichts gegen Windräder – nur gegen Windräder, die die ganze Landschaft ruinieren. Gegen Windräder im Industriegebiet hätte er nichts einzuwenden.

11 Antworten zu “Gegen Windräder kämpfen”

  1. Tom sagt:

    das erinnert mich doch an den alten aus den asterix-comics: „ich hab nichts gegen fremde, solange sie da bleiben, wo sie sind.“

  2. firefox sagt:

    ja…der amerikaner nennt dieses phänomen nimb: not in my backyard. alle finden windkraft ja ganz toll und sinnvoll und überhaupt, aber doch bitte die windräder wo anders aufstellen!

  3. pauline sagt:

    komisch, an asterix musste ich auch grade denken. allerdings an den anfang jeder geschichte – „ganz gallien ist von den römern / windrädern besetzt. ganz gallien? nein! ein kleines dorf leistet noch erbitterten widerstand…“ oder so ähnlich. die franzosen sind schon ein aufsässiges völkchen… ;-)

  4. Obelix sagt:

    ja, die spinnen, die franzosen! :-D

  5. Märchenerzähler sagt:

    Zitat: Mit den Windrädern sei es so eine Sache – „manche finden sie schön, andere gar nicht.“
    - und manche finden sie sogar so schön, dass sie sich glatt eins davon ins wohnzimmer stellen würden! (wenn ihr wohnzimmer nur groß genug wäre) … na klar!

  6. Don Q. sagt:

    Also ich träume schon seit Jahren von meinen eigenen Windrad, aber dafür bräuchte ich erstmal meinen eigenen Acker und windig sollte es da vielleicht auch sein. ^^

  7. RedKeep sagt:

    Die sollen arbeiten und nicht den ganzen Tag mit Käse und Wein vor dem Landhaus sitzen und auf die Vogesen starren :)

  8. Heinz K. sagt:

    Nein noch besser, die sollen als aufs Rad und strampeln, damit einen Generator antreiben und damit die Windräder überflüssig machen. ;-)

  9. Mia sagt:

    fenster zum rausgucken sind eh überbewertet!

  10. Leonie sagt:

    Genau und energetisch eine Todsünde. Was man nicht alles an Heizkosten sparen könnte ohne Fenster. :)

  11. Willi sagt:

    Ich habe auch nichts gegen Windräder, – zu mindestens nichts Wirksames!

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