Geld macht sympathisch

Russland ist aktuell nicht sehr beliebt – die Sache mit der Zerstückelung Georgiens ist in Europa und Amerika nicht so gut angekommen. Da kann man schon mal einen Staat retten, Island zum Beispiel. Das kleine Land Island steht aktuell vor einem Staatsbrankrott, doch Russland hat Hilfe angeboten. 4 Milliarden Euro sollen von Russland nach Island fließen und viele andere Länder fänden einen Kredit aus Russland auch ganz praktisch.
Die Zentralbank von Reykjavik hatte schon verkündet, dass Russland bereit sei, 4 Milliarden zu leihen – um sich ein paar Stunden nach einem russischen Dementi zu korrigieren und anzukündigen, dass man Experten nach Russland schicken werde, um „weitere“ Gespräche zu führen. Moskau ist durch seinen Reichtum in der angenehmen Lage, sich seinen Imageschaden durch Kreditvergabe „weg zu leihen.“ Russland, der goldene Ritter in der Not – keine Marketingagentur der Welt hätte eine Kampagne entwickeln können, die besser wirkt als die aktuell großzügige Haltung des russischen Präsidenten Dmitrij Medwedew. Dieser hatte beim ersten Internetauftritt eines russischen Präsidenten zum „gemeinsamen Handeln“ in Zeiten der weltweiten Finanzkrise aufgefordert.
Experten vermuten, dass Russland den Kredit nicht ohne Hintergedanken und Gegenleistungen vergeben wird. Zu vermuten wäre, dass Russland sich als Gegenleistung politischen Einfluss in der Wirtschaft oder bei offenen Fragen zu Georgien erhofft. Doch es gebe noch einen viel näher liegenden Grund: Eitelkeit. Der Kreml wolle demonstrieren, dass Russland trotz einstürzenden Börsenkursen immer noch solvent ist.

6 Antworten zu Geld macht sympathisch

  1. Gero sagt:

    Sehe schon die Schlagzeilen, zweite Amtssprache in Island: Russisch!

  2. Motzki sagt:

    Natürlich vergibt Russland den Kredit nicht ohne Hintergedanken. Das tut Deutschland oder sonst irgendein Land aber auch nicht. Warum sollte man einfach so jemandem Geld leihen (möglichst noch einem Konkurrenten)? Also im Nationen-Maßstab, versteht sich.
    Mit Georgien hat das aber meiner Meinung nach eher wenig zu tun. So viel ich weiß, ist Island jetzt nicht der Gigant, der den Rest der Welt dazu bringen könnte, eine andere Haltung bezüglich Georgiens einzunehmen.

  3. Vera sagt:

    natürlich ist island kein „gigant“. das siehst du schon richtig. aber als „großer bruder“ hilfreich einzuspringen, kann durchaus ein gutes licht auf den großen bruder werfen und so auch die haltung anderer länder positiv beeinflussen. das nennt sich imagepflege. ;-)

  4. Motzki sagt:

    Ganz ehrlich: Ich glaub den großen Industrienationen geht es komplett am Arsch vorbei, was aus irgendeinem Schafzüchterland im ewigen Eis wird. Wenn Island pleite geht – dann ist das eben so, das lässt den Rest der Welt ziemlich kalt. Von daher kann man mit einer Rettung Islands auch nicht groß punkten. Wenn sie punkten wollen, sollten sie die Ölpreise senken für einen Gegenwert von 4 Milliarden Euro. Das würde wesentlich mehr zur Imagepflege beitragen. Und das wissen die Russen natürlich auch.

  5. Gero sagt:

    @Motzki: Klar hat Island nicht die Macht die ganze Welt zu zwingen Russland plötzlich ganz sympatisch zu finden. Fakt ist aber Island ist ein kleines schnuckeliges Land, vergleichbar mit einem Hundebaby, wer es rettet bekommt ganz sicher Sympathiepunkte.

  6. Heinz K. sagt:

    Sympathische Freunde kann man nie genug haben?

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