Im digitalen Zeitalter ist alles anders. Mädchen wünschen sich keine Puppen mehr, sondern eine Spielkonsole von Nintendo, und auf die Lieferung des eigenen Ponys hofft auch keine mehr und bestellt lieber einen Fahrradhelm.
Doch das mit den Bestellungen ist auch so eine Sache geworden: während früher ein handgeschriebener Zettel auf der Fensterbank genügte, müssen heute Wunschzettel schon verschickt werden. Nicht per Post, sondern per E-Mail – der Weihnachtsmann soll ja so früh wie möglich informiert werden. Doch an welchen Weihnachtsmann schickt das wunschreiche Kind seine Wünsche?
Der Software-Hersteller novomind und die siebenjährige Johanna wollten es wissen: Johanna formulierte einen Wunschzettel, in dem sie sich einen Nintendo DS, einen Fahrradhelm und ein Buch über Pferde wünscht. Anschließend wurden ihre Wünsche mehrsprachig per Internet in fünf Länder verschickt. Vom schnelleren Informationsfluss zum Weihnachtsmann konnte jedoch meistens nicht die Rede sein.
Johanna bekam zwar zehn Antworten, jedoch gingen vier davon weder auf ihren Namen noch auf ihre Wünsche ein. Die Anbieter des Dienstes „himmelstadt.christkind@web.de“ beantworten keine digitalen Wünsche mehr, die Weihnachtsmänner von „weihnachtsdorf.de“ schweigen lieber ganz. Joulupukki, Weihnachtsmann aus Finnland, schloss sich diesem Schweigen an und aus Kanada gab es auch keine Antwort. Vorbildlich war der Service der Internetseite „weihnachtsstadt.de“: Johanna bekam eine Antwort mit persönlicher Ansprache und die Versicherung, dass die Elfen sich um ihre Bestellung kümmern. Ähnlich serviceorientiert reagierte der amerikanische Santa Claus: Er antwortete innerhalb von 24 Stunden und verlor dabei kein einziges Wort über das holprige Englisch des kleinen Mädchens.
Ob es hilft? Die weltweite Vernetzung macht sogar das Schreiben von Wunschzetteln zu einer Herausforderung. Fragen, die sich ein Kind heutzutage stellen sollte: Welcher Weihnachtsmann ist für mich zuständig und welcher hat die beste Testnote?
Letztendlich ist der gute alte Brief immer noch der Beste. Ich schicke meine Post jedes Jahr nach zum Weihnachtspostamt in Himmelpfort und bekomme immer eine Antwort vom Christkind
Vom Christkind nicht vom Weihnachtsmann? Dann nehme ich lieber die Elfe.
Finde das sehr bedenklich, das der Weihnachtsmann jetzt nur noch digital angesprochen werden soll. Wo bleibt da die Nächstenliebe?
Nun ja, die Zeiten ändern sich. Auch wenn digitale Medien praktisch überall Einzug gehalten haben, die Familie können sie nicht ersetzen.
Den Weihnachtsmann können Sie nicht ersetzen. Eine Internetleitung ist halt kein Renntier.
Es lebe das Christkind und nicht der kommerzielle Weihnachtsmann.