Ein Traum hinter Gittern

27. Feb 2009

In Niedersachsen wurde Norbert B. (29) eine Hausratsversicherung der Allianz per Post angeboten. „Das ist ja langweilig, passiert doch jeden Tag.“ Was man zu dieser Neuigkeit darüber hinaus wissen muss, ist, dass Norbert B. ein verurteilter Verbrecher ist und in der JVA Uelzen einsitzt.

Die Allianz formulierte in ihrem Brief so wunderbare Sätze wie: „ … ihre eigenen vier Wände bezogen und sich damit einen lang gehegten Traum erfüllt …“, oder: „ …mit nichts zu vergleichen, die eigene Wohnung ganz nach dem persönlichen Geschmack einzurichten und sich darin so richtig wohl zu fühlen…“
Damit sich der Häftling auch wirklich sicher in seiner neuen “Traumwohnung“ fühlt, ist die Haftpflichtversicherung sogar wirksam gegen Einbruch, was natürlich einen klarer Pluspunkt für den „Knacki“ ist.

Nach Albert Paulisch (57), Direktor des zuständigen Amtsgerichts seien diese “Irrläufer“ jedoch bekannt und es komme wohl alle paar Jahre zu solch unfreiwillig komischen Briefen. So ergab sich zuletzt, dass ein Häftling Post mit einem Umzugs-Scheckheft der Deutschen Post erhielt. Enthalten in diesem Scheckheft sind so nützliche Accessoires wie: Namensaufkleber für das neue Klingelschild, Postkarten mit der neuen Anschrift sowie Nachbarschafts-Tipps a la „Klopfen Sie ruhig mal nebenan und stellen sich vor.“, welche natürlich für jeden JVA-Insassen unentbehrlich sind.

Obwohl mit Bestimmtheit peinlich für die Versicherungsgesellschaften oder Unternehmen wie die Deutsche Post, sind solche “Irrläufer“ eine wohl willkommende Ablenkung des tristen Alltags eines Häftlings oder Beamten.


Abwerbung der Stromkunden mal anders

20. Feb 2009

Wer kennt sie nicht, diese lästigen Anrufe aus irgendeinem Callcenter, die versuchen, einem unnütze Produkte zu verkaufen. Bei solchen Anrufen ist man natürlich Beschönigungen gewohnt, wie „unser Produkt macht sie 10 Jahre jünger“ oder „unser Produkt ist das Beste auf dem Markt“. Einige Stromanbieter jedoch gehen jetzt noch einen Schritt weiter.

So warnt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg vor der neuen „Marketing-Strategie“ mancher Stromanbieter, um Kunden zu gewinnen. Diese rufen bei den Verbrauchern an und geben sich als lokaler Grundversorger aus. In den Verkaufsgesprächen suggerieren sie dabei den Kunden, dass es sich um keinen Anbieterwechsel handelt und verschicken im Anschluss einen neuen Stromliefervertrag.

Grotesk ist hierbei, dass die entsprechenden Firmen bei dieser dreisten Form der Kundenwerbung gezielt eine Gesetzeslücke ausnutzen. So sind unaufgeforderte Werbeanrufe vom Gesetz her zwar eigentlich verboten. Auf der anderen Seite hingegen ist ein telefonisch geschlossener Vertrag jedoch gültig.

Genauso nachdenklich muss es stimmen, dass viele Verbraucher, die im Gespräch auf diese Masche hereinfallen, ihren Stromversorger nicht kennen und so auf das Angebot ihres „vermeindlichen Grundversorgers“ eingehen. Wenigstens hier ist Justitia auf der Seite des Verbrauchers. Wer den neuen Vertrag nicht akzeptieren will, der kann mit einer Frist von 2 Wochen diesen ohne Begründung schriftlich widerrufen.


Trend zum Mobile TV geht an Deutschland vorbei

13. Feb 2009

„Auf dem Handy jederzeit und überall Fernsehen? Hört sich gut an!“ Diese Geschäftsidee gibt es schon seit längerem auf dem Markt und ist mit einem großen Potential behaftet. Wie das Marktforschungsinstitut ABI Research bekannt gab, soll die Anzahl der weltweiten User von Mobile TV auf eine halbe Milliarde in den kommenden Jahren ansteigen.

Deutschland scheint aber – wie so oft in der Vergangenheit – innovative Ideen einfach zu verschlafen. Der Mobile TV Markt hat hier hart zu kämpfen, um einen Fuß in die Tür zu bekommen. Von einem starken User-Zuwachs würden sowohl Content-Anbieter als auch die Gerätehersteller und Betreiber der hierfür notwendigen Netzwerkinfrastruktur profitieren.

Das Ende des Mobile-3.0-Konsortiums und die Rückgabe der entsprechenden Sendelizenz für den Übertragungsstandard DVB-H an die zuständigen Landesmedienanstalten ist für die weitere Entwicklung von Mobile-TV in Deutschland ein herber Rückschlag, denn ein potenzieller Nachfolger, der als Treiber am Markt fungieren könnte, ist bislang noch nicht in Sicht. Weitere Probleme für eine erfolgreiche Platzierung am Markt sind fehlende Netzwerkkapazitäten, nicht vorhandene Handy-TV-Anbieter sowie unzureichende Kommunikation zwischen Mobilfunkanbietern und Vertriebspartnern.

Alternativen sind bereits vorhanden, so z. B. die DVD-T-Variante (Mobiltelefone mit integrierten Tunern), welche mittlerweile von allen großen Mobilfunkprovidern angeboten wird und zwischen 14 und 16 TV Sender empfangen kann. Problematisch bei dieser Variante sind schlechte Empfangsmöglichkeiten, unzureichende Akku-Laufzeiten und das nicht ausreichend vorhandene Sendenetz, womit DVB-T keine allzu große Zukunft haben dürfte.

Es sieht leider so aus, dass zum wiederholten Male ein Wachstumsmarkt aufgrund nicht entsprechender Rahmenbedingungen an Deutschland vorüber geht, sowie es beispielsweise schon beim Breitband-Internet der Fall war. Gerade in Zeiten einer Weltwirtschaftskrise ist dies besonders ärgerlich, bestünde doch hier für Deutschland als „Hightech-Land“ die Chance, als einer der Vorreiter in der Entwicklung und Nutzung moderner Technologien die aktuelle Wirtschaftlage etwas aufzuhellen.


Verbraucherschützer fordern: „Mehr Datenschutz für Schäuble“

11. Feb 2009

Der als Hardliner geltende CDU Politiker Wolfgang Schäuble ist Opfer eines Hackerangriffs geworden. Unbekannte knackten die persönliche Webseite des Ministers und verschönerten diese mit einem Link zum Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung. Dieser Arbeitskreis koordiniert seit langem die bundesweiten Aktivitäten gegen Schäubles Datenhunger.

Hauptbeweggrund der Hacker ist wohl das Aufbegehren der Bürger gegen das von Schäuble zuletzt geforderte Gesetz, nach dem Betreiber von Online-Diensten die IP-Adressen ihrer Besucher bewusst speichern sollen, um technische Probleme analysieren und Hacker-Angriffe abwehren zu können.

Fast 34.000 Bundesbürger reichten gegen Schäubles Vorratsdatenspeicherung Klage ein. Dies stellt immerhin die größte Verfassungsbeschwerde aller Zeiten dar. Vorwürfe wie in etwa „Bundesnachrichtendienst bald CIA“, perlen an dem konservativen Innenminister jedoch ab wie Regen an einer Lotusblüte.

Somit warb nun auch Schäuble selbst für den Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung – zumindest ungewollt. Er selbst äußerte sich zu dem Hacker-Angriff zunächst nicht. In Blogs und Foren verbreitete sich die Nachricht über die Panne auf der Homepage von Deutschlands Sicherheits-Chef jedoch wie ein Lauffeuer, denn es war nicht der erste Angriff dieser Art. Bereits im Mai 2008 hatten Hacker erfolgreich die Internet-Präsenz des Innenministers „verschönert“.

Der Coup könnte sich allerdings als kontraproduktiv für die Aktivisten und Bürgerrechtler erweisen, denn Herr Schäuble wird sich umso mehr darin bestätigt sehen, dass die geplante Vorratsspeicherung dem Wohle des Volkes diene.

Generell kann man provokativ die Frage in den Raum werfen, wie den der für die innere Sicherheit zuständige Minister ein Land schützen will, wenn er bei allem technischem Know-How seines öffentlichen Dienstes noch nicht einmal seine eigene Internetpräsenz schützen vermag?
Schäubles Webseite wurde im Übrigen einige Stunden nach dem Angriff vom Netz genommen.


Horrende Stromrechnungen sorgen für Arbeitsplätze

10. Feb 2009

Die spanische Verbraucherzentrale wurde damit beauftragt, eine amtliche Untersuchung gegen den Stromversorger Gesa Endesa einzuleiten. Durch eine Gesetzesänderung, welche die spanischen Stromanbieter seit Beginn des Jahres verpflichtet, monatlich abzurechnen, kam es zu zahlreichen Beschwerden der Kunden.In Spanien werden nämlich Stromzähler nur noch alle zwei Monate abgelesen, folglich wird der Verbrauch zunächst geschätzt und der in Rechnung gestellte Betrag mit der folgenden Rechnung wieder ausgeglichen.

Doch genau diese Rechnung geht nicht ganz auf, denn in Einzelfällen stieg der Betrag von beispielsweise 40 Euro auf 285 Euro, was natürlich vorerst große Löcher in die (von vornherein nicht so prall gefüllten) Portemonnaies der Iberer riss.

Das Gute an der ganzen Misere: Gesa Endesa schafft Arbeitsplätze in dieser wirtschaftlich schweren Zeit. Das Unternehmen musste nämlich auf Grund der hohen Anzahl von Beschwerden die Manpower erhöhen. Das Unternehmen behauptet, der spanische Staat sei an allem Schuld und man handle lediglich dem Gesetz entsprechend – was den leidtragenden Kunden natürlich herzlich wenig interessiert.


Tapezieren für die Datensicherheit

3. Feb 2009

Die Universität von Tokio kann mit einer besonderen technischen Innovation aufwarten. Vor kurzem wurde dort eine spezielle Wandfarbe entwickelt, die die Strahlen von WLAN Geräten absorbieren kann. Damit sollen die Router von außen nicht mehr zu erkennen und zu erreichen sein.

Basieren soll die Farbe auf Aluminium-Eisen-Verbindungen mit denen die Radiowellen viermal stärker abgeschirmt werden sollen als mit bisher bekannten Schutzmaßnahmen.

Noch ist nicht klar, ob das Produkt die Serienreife erreicht, da erst zahlreiche Tests und Marktanalysen Qualität, Chancen und Risiken bestimmen müssen. Auch wird der streichbare WLAN-Schutz mit rund 10 Euro pro Liter erheblich teurer sein als normale Wandfarbe.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, inwieweit das Produkt markttauglich wäre, angesichts immer besserer Verschlüsselungssysteme für das drahtlose Internet.

Sollte sich die Farbe als WLAN-Schutz nicht durchsetzen können, so bliebe den Forschern immer noch die Möglichkeit, ihre Erfindung als Schutzmaßnahme gegen Elektrosmog umpatentieren zu lassen, zumal immer noch strittig ist, ob diese Technik nicht auch andere elektromagnetische Signale, zum Beispiel von Handys, stört oder gar absorbiert.

Und was passiert eigentlich, wenn man einen Raum mit vielen Fenstern hat? Wäre schon komisch, wenn jemand 300 Euro für die Farbe ausgibt, nur um feststellen zu müssen, dass die Technik an dieser Stelle versagt.