Lang lang ist es her, als den Deutschen noch das Prädikat eines Volkes von Dichtern und Denkern angehängt wurde. So schrieb der Schriftsteller Wolfgang Menzel 1836: „Das sinnige deutsche Volk liebt es zu denken und zu dichten, und zum Schreiben hat es immer Zeit.“
Ein paar Generationen später scheint von diesem Image allerdings nicht mehr allzu viel übrig geblieben zu sein. Bereits in den 1960er Jahren wurde der Bildungsnotstand ausgerufen, und einige Pisa-Studien später fühlen wir uns allemal im Mittelmaß versunken.
Allerdings zeigt sich im digitalen Zeitalter der Massenkommunikation und -information ein kleiner Silberstreif am Horizont. Die deutschen Dichter und Denker sind wiederauferstanden – zumindest bei Wikipedia.
So gab der Gründer des freien Online-Lexikons Wikipedia, Jimmy Wales, jüngst zu Protokoll, dass das deutschsprachige Wikipedia eine wesentlich höhere Qualität hat als die englischsprachige Version. Auch scheinen die Deutschen wieder viel Zeit zum Schreiben gefunden zu haben. Nach „Englisch“ als der Weltsprache stellen die deutschsprachigen Artikel die zweithäufigsten Beiträge dar. Rund jeder 10 Beitrag des Online-Lexikons ist in deutscher Sprache verfasst, bei 250 Sprachen insgesamt.
Scheinbar hat das intellektuelle und schriftstellerische Potential in uns nur geschlummert und auf den richtigen Moment gewartet, wie Phönix aus der Asche ans Tageslicht treten zu dürfen. In diesem Sinne sei Jimmy Wales ein herzliches Dankeschön gesagt, den scheinbar denk- und schreibfaulen Deutschen mit Wikipedia aus seinem Dornröschenschlaf wachgeküsst zu haben.
Ich gehe mal davon aus, dass der Beitrag auf ein wenig Ironie basiert. Denn wenn ich mir anschaue was meine Schüler zur heutigen Zeit für Aufsätze oder Diktate anfertigen, kann ich dem Beitrag nicht ganz zustimmen.
Scherzkeks.
Wenn wir Schüler gezwungenermaßen Gedichtanalysen und dergleichen anfertigen müssen, können wir unser Schriftstellerisches Potential ja gar nicht beweisen, weil das schon Goethe und andere für uns getan haben. Sie sin die Verfasser der Werke, wir nur die Deppen, die sie interpretieren dürfen. Wir wurden nie aufgefordert, ein Gedicht oder sonstige fiktive Geschichten zu verfassen?! Höchstens in der Grundschule als man uns noch für zu blöd zum denken hielt.