Mit „Nabucco“ für mehr Unabhängigkeit von russischem Erdgas

Europa will sich endlich aus der russischen Gas-Abhängigkeit befreien – durch den Bau der „Nabucco-Pipeline“. Nun ist es soweit: Heute werden fünf Länder des „Nabucco-Konsortiums“ ein gemeinsames Abkommen unterzeichnen, das die Bedingungen für den Bau der Pipeline regelt.

Erdgas vom Kaspischen Meer durch eine Pipeline, die nicht unter russischer Kontrolle steht, nach Europa leiten: Das ist die Idee hinter “Nabucco”. Die Unterzeichnung des Abkommens ist zwar noch nicht der totale Durchbruch, dennoch stehen die Chancen für das Projekt besser als je zuvor. Stein des Anstoßes war unter anderem ausgerechnet Russland. Der Georgienkrieg im Sommer 2008 und der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine zum Jahreswechsel hatten die Unsicherheit in Europa über die Abhängigkeit vom russischen Gas noch einmal erhöht. Einige europäische Staaten führte die Auseinandersetzung sogar an den Rand einer Versorgungskrise. Der Wunsch nach Unabhängigkeit trieb das Projekt noch einmal entscheidend voran.

Ebenfalls günstig für „Nabucco“ wirkte sich der momentan niedrige Gaspreis aus – der russische Energieriese Gazprom hat aufgrund seiner momentan eher geringen Einnahmen Probleme, sein Konkurrenzprojekt „South Stream“ voranzutreiben. Sowohl das Nabucco-Konsortium, als auch „South Stream“ werben derzeit um Vorverträge mit potentiellen Lieferstaaten wie Turkmenistan und Aserbaidschan – Gazproms niedrige Erträge räumen „Nabucco“ nun einen kleinen Vorsprung ein. Würde das russische Projekt gänzlich scheitern wäre es mit dem russischen Status Gasmonopol wohl endgültig vorbei.

Gaslieferungen aus dem Irak und aus Aserbaidschan sind für „Nabucco“ wahrscheinlich und könnten die erste Bauphase der Pipeline finanzieren. Langfristig trägt sich das Mammutprojekt „Nabucco“ jedoch nur, wenn irgendwann auch iranisches Gas durch die Pipeline fließt. Ob der Iran – mal abgesehen von seinem umstrittenen Atomprogramm – in seiner Funktion als Unsicherheitsfaktor Russland vorgezogen werden sollte, ist allerdings fraglich. Auch wenn das heikle Thema des iranischen Atomprogramms aus der Welt geschafft werden könnte, sollte sich Europa im Falle einer derartigen Zusammenarbeit mehr den je um einen demokratischen und stabilen Iran bemühen.

Es wird nicht nur schwierig, sich aus der Abhängigkeit russischen Gases zu befreien, sondern auch sehr teuer. Im Hinblick darauf, dass die EU 25 Prozent ihres Gesamtverbrauchs mit russischem Erdgas deckt, und dass es in Deutschland sogar 37 Prozent sind, besteht allerdings dringendster Handlungsbedarf. Hier kann „Nabucco“ ein Baustein sein, die Importe breiter zu streuen, zumal davon auszugehen ist, dass die Eigenförderung von Erdgas in der EU weiter zurückgehen und damit der Bedarf an Gasimporten weiter steigen wird. So ist „Nabucco“ zwar mit hohen Kosten verbunden. Langfristig dürften Verbraucher aber profitieren, wenn durch die Erhöhung der Importquellen der Gazprom ein Stückchen Macht mit Blick auf die Preissetzung genommen werden kann.

2 Antworten zu Mit „Nabucco“ für mehr Unabhängigkeit von russischem Erdgas

  1. friedel sagt:

    Also nein. Immer diese Abhängigkeiten, so entstehen Kriege! wenn ich die wahl zwischen größenwahnsinnigen russen, und iranern, die es der welt mal richtig zeigen wollen hätte wüsste ich auch nicht so genau. dagegen wirkt es so, als sei der irak als lieferant gar kein problem.. aber wer sonst? als ich jung war hat man dem russen jedenfalls nicht vertraut, dem iraner aber erst recht nicht.
    In diesem sinne, eine ratlose friedel

  2. hanshansen sagt:

    heikel heikel würde ich sagen! Da will man vom einen schwierigen Partner weg aber kann das nur, wenn man mit einem ebendso komplizierten zusammen arbeitet. ob das der richtige weg ist?

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