Nach der Katastrophe von Nachterstedt wehrt sich die Braunkohleindustrie gegen Vorwürfe und Pauschalverurteilungen. Umweltschützer attackierten sie zuletzt mit Vorwürfen, die Braunkohleverstromung sei nicht nur umweltschädigend und überflüssig, sondern auch lebensgefährlich.
Stein des Anstoßes war zweifellos der Erdrutsch von Nachterstedt. Die Hintergründe für die nun entfachte Debatte um die Braunkohle sind aber andere. Die Diskussion über die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Folgen der Energiegewinnung durch Braunkohle läuft seit Jahren. In den letzten Wochen und Monaten sorgte die Atomindustrie allerdings für genug negative Presse, so dass es still um das CO2-Problem der Braunkohle wurde.
Geograph und Geologe Dirk Jansen, Braunkohlefachmann im Bund für Umwelt und Naturschutz, fordert, aktuell keine neuen Braunkohlekraftwerke mehr zu bauen und die momentane Verstromung umgehend zu beenden. Er bezeichnet diese Form der Energiegewinnung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) als „das größtmögliche Desaster für die Natur und den Menschen“. Nirgendwo würde in solch gewaltsamer und in unumkehrbarer Weise Landschaft, Luft, Wasser und Siedlungsstruktur angegriffen. Für den Braunkohlebau mussten in den letzten Jahrzehnten ganze Dörfer umgesiedelt werden. Das Grundwasser wurde in vielen Gebieten abgesenkt und die Feinstaubemission der Kraftwerke ist enorm.
Der Bundesverband für Braunkohle ist verständlicherweise anderer Meinung und wehrt sich gegen die Vorwürfe. Geschäftsführer Milojcic versichert, sowohl die Förderung, als auch die Bergbausanierung wären sicher. Von einem Einzelfall dürfe man nicht auf die Masse der Betriebe schließen.
Die Industrie will nun auf die positiven Seiten der Braunkohle aufmerksam machen. So biete sie nicht nur Versorgungssicherheit und benötige im Gegensatz zu anderen Energiequellen keine Subventionen. Auch in die Umweltverträglichkeit sei viel investiert worden. Und neben Großvorhaben wie dam Carbon Capture and Storage-Verfahren (CCS) bemühen sich Mammutunternehmen wie RWE auch um unkonventionellere Lösungen. Momentan wird an einem Verfahren experimentiert, bei dem Algen das CO2 aufnehmen und anschließend als Biomasse enden sollen.
Eine Stilllegung der deutschen Kohlekraftwerke bezeichnet die Branche als utopisch. Die Kohle trägt mit 23,5 Prozent einen maßgeblichen Teil zur nationalen Stromgewinnung bei. Im letzten Jahr wurden in Deutschland 175 Millionen Tonne Braunkohle gefördert. Allein RWE beschäftigt in seinen drei Gruben 12.000 Mitarbeiter in diesem Bereich. Und es wird fleißig erweitert: An neun Standorten sind momentan vier neue Blöcke geplant.
Der Abbau und die Verstromung von Braunkohle ist die Dinosauriertechnologie in Deutschland schlechthin. Sie zu stürzen, dürfte ihren Gegnern allerdings nicht so schnell gelingen. Nach Daten des Bundesumweltministeriums vom letzten Jahr wäre zwar der Ausstieg sowohl aus der Braunkohle, als auch aus der Atomenergie parallel möglich. Während es in der Atomenergie allerdings noch keinen Bestandsschutz für die Zeit nach 2020 gibt, ist ein Ende der Braunkohle noch lange nicht in Sicht. Hier wird sich auf Zwischenlösungen wie CCS berufen und von der Verheißung der grünen Kohle hat man leider lange nichts mehr gehört.
Also das statement Milojcic find ich ja super.
Er sagt, dass die förderung sicher ist. Das mag sein bezweifel ich auch nicht. Aber die Gegner sprechen ja viel mehr noch die Umweltverträglichkeit dieser Form von energiegewinnung an. Diese ist ja wohl äußerst schlecht. Mal gucken was die grüne Kohle bringt.