Die Atomdebatte ist nach den jüngsten Zwischenfällen im Kraftwerk Krümmel mal wieder in vollem Gange. Aber nicht nur die Störfälle spalten momentan die Nation, sondern auch der Streit darüber, wer für inaktive Kraftwerke und Atommüllager zahlen soll – die Konzerne oder der Staat?
Das Entsorgungsrisiko interessiert die Atomkonzerne herzlich wenig. Die Gefahr von Unfällen trägt nämlich der Staat. Bezahlen müssen andere. Hier wird der Bürger zur Kasse gebeten, doch meistens weiß er davon gar nichts. Denn die Kosten lassen sich auf der Stromrechnung nicht ausfindig machen. Sie schlagen vielmehr in den Steuern nieder, der Atomstrom muss nämlich günstig bleiben.
Symptomatisch für die Hilflosigkeit in Deutschland – wenn es um die unangenehmen und vor allem teuren Hinterlassenschaften der Atomkraftwerke geht – ist die Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe (WAK). Dort schwimmen 60.000 Liter hochgefährliche Atombrühe, in der soviel Plutonium enthalten ist, dass es für den Bau von mehreren Atombomben reichen würde. Das Ganze hat eine Strahlung von 700 Billiarden Bequerel – das entspricht einem Viertel der Radioaktivität, die in Tschernobyl das Leben unmöglich gemacht hat. Seit Jahren soll diese Gefahr aus Karlsruhe verbannt werden. In einer hochriskanten Aktion wollte die baden-württembergische Regierung die Atomsuppe in einen Schmelzofen auf 1200 Grad erhitzen und mit Glasperlen verschmelzen lassen, bevor sie in ein Zwischenlager verbracht werden könnte und die Gefahr einigermaßen gebannt wäre. Mitte Juli wurde der Landesregierung die Sache allerdings mal wieder zu heiß, und sie verschob die Aktion zum wiederholten Mal. 1991 ließen sich die an der WAK beteiligten Konzerne einen Kostenanteil von 550 Millionen Euro deckeln. Heute rechnen Experten mit Kosten von 2,6 Milliarden Euro.
In der Berliner Politik wird nun heftig diskutiert, ob sich die Gesellschaft solchen Unverantwortlichkeiten beugen muss. Umweltminister Sigmar Gabriel will sich das Geld von den Energieriesen so gut wie möglich wiederholen. Er verlangt die Einführung der Kernbrennstoffsteuer, die einen Cent pro Kilowattstunde betragen soll, um Atomruinen sichern zu können. Die Atomkonzerne lehnen das, genau wie CDU/CSU, kategorisch ab. Walter Hohenfelder, Präsident des Deutschen Atomforums, sagte gegenüber dem „Spiegel“: „Die Atomwirtschaft hat diese Schäden, die hier aufgetreten sind, nicht zu verantworten.“ Er nahm damit Bezug auf das Fiasko von Asse, wo Salzlaugen demnächst den dort achtlos abgeladenen nuklearen Schrott überfluten könnten. Mangels Mitverantwortung gebe es, so Hohenfelder, hier auch keine Kostenbeteiligung.
Systematische Verantwortungslosigkeit beherrscht die Atombranche seit Jahrzehnten. Der Traum einer unlimitierten Versorgung Deutschlands mit eigenem Atomstrom scheint endgültig ausgeträumt. Versprechen der Nukleargesellschaften, aus Atommüll neue Brennstäbe und damit ein Vermögen zu machen, sind ebenfalls Vergangenheit. Die in Asse lagernde Zeitbombe, die ständig gerührt und gekühlt werden muss, könnte in Zukunft viele Probleme verursachen. Eine Umlagerung wird bereits jetzt mit 4 Milliarden Euro veranschlagt. Die nuklearen Altlasten fordern ihren Preis. Die Bundesregierung gibt 2009 für die Erforschung erneuerbarer Energien weitaus weniger Geld aus, als für die Demontage nuklearer Anlagen. Vorhandene Mittel sollten in regenerative Energien investiert werden, die kein auf Millionen von Jahren verseuchtes Erbe verursachen. Zur Kasse sollten endlich die gebeten werden, deren verantwortungsloses Handeln Millionen von Menschen gefährdet.
Systematische verantwortungslosigkeit, das trifft es! man will es nicht mehr hören, ich bin cdu wähler, aber langsam verliere ich das vertrauen in diese partei, wenn bei solch, im wahrsten sinne des wortes, lebenswichtigen themen so eine flekmatische stimmung herrscht. man kriegt momentan lust, sich an eienn baum zu ketten und zu protestieren! ich beziehe ökostrom und zahle für diese verbrecher trotzdem steuern, wie kann das in unserem staat sein?
Sowohl die Regierung und auch die Automkonzerne haben damals wohl die auswirkungen und ausmaße unterschätzt. das die automkonzerne jetzt auf ihre verträge berufen ist ja wohl klar, welches unternehmen gibt schon gerne zusätzlich milliarden aus.
Über 70 Prozent der Radioaktivität in der Asse stammen von den Energieversorgern! Und nur weil irgendwann mal Verträge geschlossen wurden, denen zufolge sie nur bis zu einer Obergrenze an den Kosten der Entsorgung beteiligt werden, werden die Kosten jetzt auf die gesellschaft abgewälzt. Verantwortungslos ist da wirklich schon fast euphemistisch! Ich zahl schließlich auch für die Entsorgung meines Mülls und kipp ihn nicht irgendwem in den Garten!
Vgl.: http://www.heise.de/tp/blogs/2/126666
http://www.greenpeace.de/themen/atomkraft/presseerklaerungen/artikel/grossteil_der_radioaktivitaet_im_atommuelllager_asse_ii_stammt-1/
http://www.net-tribune.de/article/160908-249.php
wenn man bedenkt welche kosten der staat bei der atomindustrie trägt wie Castor transporte absichern u.s.w. dann ist es eine lüge das atomstrom billig ist, in wahrheit ist doch der atomstrom subventioniert und das nicht gerade billig.