Offshore-Konzept: Ökostrom-Wende oder leere Wahlkampfversprechen?

Ist Windenergie der Schlüssel zur energiepolitischen Unabhängigkeit Deutschlands?

Ist Windenergie der Schlüssel zur energiepolitischen Unabhängigkeit Deutschlands?

Bundesverkehrsminister Tiefensee plant 40 Windparks auf dem Meer zu errichten und steuert so in Richtung Ökostrom-Wende. Experten und die Grünen halten der Regierung jedoch vor, “Torschlusspanik“ zu haben und diese mit utopischen Versprechen kaschieren zu wollen.

Der Plan, den SPD-Politiker Wolfgang Tiefensee momentan verbreiten lässt, klingt viel versprechend. Aus ihm geht hervor, dass die Regierung 40 Windparks in der Nord- und Ostsee bauen lassen will. Insgesamt könnten die eine Leistung erbringen, die der von zwölf mittelgroßen Atomkraftwerken entsprechen würde. Auf diesem Weg sollen dann zwölf Millionen Haushalte mit Strom versorgt werden können und rund 30.000 Arbeitsplätze in der Stahlwirtschaft, im Maschinenbau und in der Forschung entstehen. Die Entscheidung über das Megaprojekt soll noch vor der Bundestagswahl getroffen werden.

Strom aus Hochseewind ist eine Energiequelle, die, anders als alle anderen regenerativen Energien, auch auf deutschen Hoheitsgebiet in scheinbar unerschöpflichen Mengen vorhanden ist. Deutschland könnte bei einer Realisierung der Meeres-Windparks energiepolitisch eine gewisse Unabhängigkeit erreichen und der CO2-Ausstoß der Bundesrepublik würde darüber hinaus drastisch gesenkt werden. Und schon bald soll es los gehen: Bis 2011 sollen drei oder vier der größeren geplanten Meereswindparks realisiert sein.

Nach SPIEGEL ONLINE-Informationen existieren die Pläne für dieses Vorhaben schon seit Anfang dieses Jahrzehnts. Sie seien im Januar 2002 im Rahmen der „Nachhaltigkeitsstrategie“ von der rot-grünen Bundesregierung beschlossen worden. Auf die Versprechen des Verkehrsministers kurz vor der Bundestagswahl reagieren nun besonders die Grünen verärgert. Er zweifle auch an Frau Merkels wirtschaftlichem Sachverstand, meint Grünen-Politiker Hans-Josef Fell. Wenn die gigantischen Windparks auf See umgesetzt würden, gleichzeitig aber Atomkraftwerke weiterlaufen, dann entstünden gewaltige Überkapazitäten. Dadurch würden die Strompreise kaputt gemacht – und Windenergie unterm Strich unrentabler als sie sein müsste. Kritik regnet es ebenfalls von diversen Umweltexperten. Felix Matthes, Energieexperte am Öko-Institut Freiburg, sagte zu den Plänen Tiefensees, die Offshore-Strategie gehe ganz klar auf Rot-Grün zurück und die große Koalition hätte in den vier Jahren zu wenig getan, um sie deutlich voran zu bringen.

Einfach wird die Umsetzung des Offshore-Konzepts nicht. Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE) rechnet damit, dass der Bau eines Windparks zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro verschlingen wird. In diesem Fall würden, laut Albers, 70 Prozent der Kosten für die 25 bereits genehmigten Windparks von von einem bekannten Energieriesen getragen.

Neue Energie-Ära für Deutschland?

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Ob Tiefensees Windversprechen reine Wahlkampftaktik ist, oder nicht: Das klimafreundliche Großprojekt ist ein wichtiger Schritt weg von Atom- und Kohlekraftwerken. Vorsicht ist aber im Hinblick auf die Finanzierung geboten. Denn wenn die Investitionen größtenteils von Großkonzernen wie E.ON oder Vattenfall gestemmt werden, wird das den Fortschritt der Windenergie insgesamt aber eher lähmen. Die Politik sollte also die Zügel in der Hand behalten und für ausreichend Wettbewerb sorgen, damit eine großartige Idee auch zu großem Erfolg führt.

Bilder: © fotolia.com/Wolfgang Feischl, ©iStockphoto.com/AndreasWeber

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