Dardesheim in Sachsen-Anhalt ist bundesweites Öko-Vorbild. Die Kleinstadt wird ausschließlich mit sauberen Strom versorgt. Unternehmen und Forscher wollen nun unter Beweis stellen, dass auch ein ganzer Landkreis auf die gleiche Art dauerhaft versorgt werden kann.
Im sachsen-anhaltinischen Dardesheim glänzen Photovoltaikanlagen auf den Dächern, Windräder ragen empor und Elektroautos surren durch die Straßen – natürlich mit eigens produzierten Ökostrom angetrieben. Der kleine Ort im Harz mit seinen rund Tausend Einwohnern hat den Beginn einer energietechnischen Revolution eingeläutet. Die ganze Stadt versorgt sich selbst mit regenerativer Energie aus Wind, Sonne und Biomasse. Mittlerweile ist Dardesheim Anlaufpunkt für Touristen aus aller Welt, die sich von dem einzigartigen Projekt ein Bild machen wollen.
Der Windpark Dardesheims speist jedoch ungefähr vierzig Mal so viel Energie ins Netz, wie die Kleinstadt eigentlich benötigt. Deshalb soll der überschüssige Strom nun in ein weitaus größeres Projekt fließen. Auch in dieser Sache ist der Windparkbetreiber Heinrich Bartelt Wegweiser für den Rest des Teams. Die Idee heißt „regeneratives Kombikraftwerk“ und hat das ehrgeizige Ziel, den Landkreis Harz komplett mit sauberer Energie zu versorgen. Dazu soll das virtuelle Kraftwerk Öko-Energiequellen wie Solar- und Windenergie und auch Biomasse zusammenfügen.
Das geplante Kraftwerk soll sich mit 36 Anlagen über ganz Deutschland erstrecken. Dafür arbeiten Universitäten, Stadtwerke und Großunternehmen bereits seit einiger Zeit eng zusammen. Das Projekt “Regenerative Modellregion Harz” ist wegweisend und wird bereits mit zehn Millionen Euro vom Bund gefördert. Ziel ist eine stabile und wetterunabhängige Ökostrom-Versorung. Dazu muss allerdings noch an der Speicherfähigkeit des gewonnenen Stroms und vor allem an der Netzstruktur gearbeitet werden. “Die Energiequellen müssen wie ein Orchester koordiniert werden”, erklärt Kurt Rohrig, Projektleiter am Instituts für Solare Energieversorgungstechnik (ISET) gegenüber SPIEGEL ONLINE. Daneben räumt er allerdings auch ein, dass für eine flächendeckende Versorgung weitaus mehr Anlagen gebaut werden müssten.
Kritiker zweifeln an der Zuverlässigkeit und Steuerbarkeit von Wind- und Sonnenkraft. Durch die beispielhafte Energieversorung in Dardesheim, könnten sie nun eines besseren belehrt werden. In dem kleinen Städtchen fand nicht nur vor kurzem das Ökostromfestival statt, es wird sogar ein großer Informationspark geplant – wie im Ökostrom-Disneyland. Das Modell Öko-Harz wird noch eine Weile brauchen, denn ohne Zuschüsse von Forschungsgeldern ist es momentan finanziell nicht attraktiv. Grund dafür ist unter anderem das Erneuerbare-Energien-Gesetz, nach dem in den meisten Regionen jede eingespeiste Kilowattstunde bezahlt wird. So haben die Anbieter keinen Grund, sich aufeinander abzustimmen oder den Strom zu speichern. Hier kann momentan nur eine Gesetzesänderung helfen.
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