Der Energiekonzern RWE wirbt auf Grund des bevorstehenden Regierungswechsels im Bund für die Verlängerung der Laufzeit des Atomkraftwerks Biblis. Sollte das gelingen, verspricht RWE-Chef Jürgen Großmann mögliche Gewinne anteilig in regenerative Energien fließen zu lassen.
Nach der Bundestagswahl am 27.09.2009 entbrennt die Debatte um den deutschen Atomausstieg erneut. Bisher war geplant, alle Atommeiler bis 2020 vom Netz zu nehmen. Da Deutschland nun aber ein Regierungswechsel bevorsteht, hegen Atomkraftwerksbetreiber neue Hoffnungen. So zum Beispiel der RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann. Er versprach nach Informationen von WELT-ONLINE, bei einer Laufzeitverlängerung des RWE-Kraftwerkes Biblis auch vermehrt in erneuerbare Energien wie Windkraft zu investieren. In der ARD sagte Großmann, man solle technische Anlagen so lange nutzen, wie sie sicher sind. Seine Antwort auf die Frage, ob die beiden heftig kritisierten Meiler Biblis A und Biblis B denn noch sicher wären, war bestimmt: „Ja selbstverständlich sind sie sicher.“ Der bisherige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel plante Biblis A und B im Laufe dieser Legislaturperiode vom Netz zu nehmen.
Kernenergie sei ein Teil der Energiepolitik, ein Teil des Energiemixes, propagierte Großmann. Seiner Meinung nach sollte man über eine Verlängerung der Laufzeit für alle Atomkraftwerke sprechen. Der dadurch generierte Mehrwert könnte dann anteilig für erneuerbare Energiequellen und für die Modernisierung der Leistungsnetze verwendet werden. Auch seien die Betreiber dazu bereit, einen zusätzlichen Gewinnteil abzugeben, wie es Union und die FDP fordern. Als mögliche Größenordnung nannte Großmann einen „dicken zweistelligen Prozentsatz“, der allerdings in eine ganzheitliche Betrachtung eingebettet werden müsste.

Atomlobby auf dem Ökotrip?
In der Atomlobby und bei den Betreibern hieß es am Abend des Wahltages aufatmen. Mit der neuen Regierung stehen die Chancen für Laufzeitverlängerungen der Atomkraftwerke gar nicht schlecht. Mit der zurückgewonnenen Selbstsicherheit lassen sich große Versprechen gleich viel besser machen. Was dick-zweistellig ist und wie viel davon tatsächlich in den Ausbau erneuerbarer Energiequellen fließt, war Großmann nicht zu entlocken. Insofern bleibt abzuwarten, wie die Regierung auf das großzügige Atombonbon reagiert und ob nicht umsonst kritisierte Reaktoren so lange laufen dürfen, bis sie nach Großmanns Aussage dann nicht mehr sicher sind.
Bilder: ©iStockphoto.com/Deejpilot, Andreas Weber

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