Das Bundeskartellamt äußert heftige Kritik an den geplanten Laufzeitverlängerungen für deutsche Atomkraftwerke. Die unabhängige Stromerzeugung habe im Wettbewerb mit der Kernenergie kaum eine Chance.
Das Bundeskartellamt stellt die geplante Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken in Frage. Kartellamtschef Bernhard Heitzer sagte gegenüber dem Handelsblatt, die AKWs länger am Netz zu lassen stünde dem Ziel entgegen, mehr Wettbewerb auf dem Strommarkt zu erzeugen. Besonders die unabhängigen Stromanbieter könnten dadurch massive Probleme bekommen.
Der Streit um die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke ist ein heiß diskutiertes Thema in den Koalitionsverhandlungen dieser Woche. Hetzers Ansicht nach herrschen auf dem deutschen Strommarkt „evident keine wettbewerblichen Strukturen“. Momentan werden alle 17 deutschen Atomkraftwerke von den Energieriesen E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall betrieben und erzeugen 86 Prozent des in Deutschland vorhandenen Stroms. Heitzer bemängelte die Lage gegenüber dem Handelsblatt: „Diese Situation ist nicht befriedigend“. Seiner Meinung nach müsse daran gearbeitet werden, diese Strukturen zu verändern. „Genau das Gegenteil“ erreiche man allerdings durch verlängerte Laufzeiten.

Noch immer ist keine Lösung für den Atommüll gefunden
Die schwarz-gelbe Koalition diskutiert verschiedene Modelle zum Thema Laufzeitverlängerungen. Momentan ist nur klar, dass ein Großteil der Gewinne aus der längeren Aktivität der AKWs in den Ausbau erneuerbarer Energien und in die Energieforschung fließen wird. Der Weiterbetrieb soll allerdings an hohe Auflagen geknüpft werden. Wenn man bedenkt, dass im Atommülllager Asse erst vor ein paar Tagen eine Decke eingestürzt ist, kann man nur hoffen, dass die Sicherheitsstandards massiv verbessert werden. Um den Energiemarkt grundlegend zu verändern, bedarf es einer souveränen Umweltpolitik. Nun bleibt abzuwarten, ob die neue Bundesregierung dazu in der Lage ist.
Bilder: ©iStockphoto.com/Deejpilot
