Die Sonne als Vorbild – mit Kernfusion zum Weltfrieden?

Bei der Frage nach der effizientesten und trotzdem klimaneutralen Energiegewinnung scheiden sich die Geister. Im französischen Ort Cadarache wollen Forscher nun ein Kraftwerk konstruieren, mit dessen Hilfe das Feuer der Sonne auf die Erde geholt werden kann, um es dann klimaneutral in Energie umzuwandeln.

In dem Ort Cadarache in Südfrankreich beginnt in ein paar Wochen der Bau des Forschungsreaktors Iter (International Tokamak Experimental Reaktor). Die Idee: Die umstrittenen Kernkraftwerke gewinnen Energie durch die Spaltung von Atomkernen. Bei der Kernfusion soll dies genau umgekehrt ablaufen, so dass durch die Verschmelzung von Atomen Energie freigesetzt wird. Mit Iter wollen die beteiligten Wissenschaftler demonstrieren, dass Kernfusion als Energiequelle nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich umsetzbar ist. Als großes Vorbild gilt die Sonne. Sie erzeugt Energie, in dem sie Wasserstoff zu Helium verschmelzen lässt.

Das Kraftwerk werde voraussichtlich Ende 2018 in Betrieb genommen, so Sabina Griffith, Pressesprecherin von Iter gegenüber WELT ONLINE. Das Jahrhundertprojekt wird von der EU, China, Russland, Japan, Südkorea, Indien und den USA gemeinsam durchgeführt. Diesbezügliche Verhandlungen fanden bereits im Jahr 1985 statt. Der Iter-Vertrag kam jedoch erst vor zwei Jahren zustande. Grund für die lange Verzögerung war neben langen Diskussionen über den Standort auch die aufwändige Finanzierung.

Die Kernfusion ist wesentlich sicherer als die Kernspaltung. Zu einen enthalten die Reaktoren geringere Massen an radioaktiven Stoffen, zum Anderen ist die Halbwertzeit des radioaktiven Abfalls bedeutend kürzer. Während das Plutonium aus Atomkraftwerken eine Halbwertszeit von 24.000 Jahren hat, sind es bei dem als Brennstoff verwendeten Tritium nur zwölf Jahre. Das bedeutet, dass der aus dem Sonnenkraftwerk entstehende Strahlenabfall nach ca. 50-100 Jahren keine Gefahr mehr für die Umwelt darstellen würde.

Erdöl und Erdgas sind nicht unbegrenzt verfügbar und der Streit um die Kernenergie spaltet die Nation. Mittlerweile wird immer mehr Strom aus erneuerbaren Energiequellen wie Photovoltaik-Anlagen und Offshore-Windparks erzeugt. Das Projekt Iter klingt vielversprechend, besonders im Hinblick auf das ehrgeizige Ziel der Inbetriebnahme bis 2018. Das Kraftwerk könnte eine Brücke zwischen den verschiedenen Energiequellen schlagen und so nachhaltig zur Friedenssicherung beitragen. Insofern bleibt zu hoffen, dass Iter in einem wirtschaftlich sinnvollen und nachhaltigen Rahmen umgesetzt werden kann und nicht als Aktengespenst verendet.

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