Versicherungsnehmer müssen im nächsten Jahr tiefer in die Tasche greifen. Mehr als 20 Krankenkassen sehen sich im kommenden Jahr gezwungen eine zusätzliche Gebühr zu erheben, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Betroffene Versicherungsanbieter planen nun, sich gegenseitig unter die Arme zu greifen, um die Kostenerhöhung auf 2011 hinauszuzögern.
Zusatzgebühren auf breiter Front
Krankenversicherungen müssen im kommenden Jahr auf breiter Front Zusatzgebühren erheben. Nach Informationen des „Handelsblatt“ geht das Gesundheitsministerium von 25 Versicherungen aus, die ihre Kunden 2010 vermehrt zur Kasse bitten werden. Die zusätzlichen Beiträge sollen sich auf bis zu einem Prozent des Gehalts belaufen.
Um auf das drohende Finanzloch zu reagieren, haben die Ersatzkassen ihre Verbandssatzung geändert und wollen sich nun gegenseitig unter die Arme greifen, berichtet das Handelsblatt. Der Verband der Ersatzkassen (vdek) wies darauf hin, dass die positiven Jahresfinanzergebnisse der meisten gesetzlichen Versicherer auf Pump zustande gekommen seien. Ein vom Bund gewährtes Milliarden-Darlehen muss jedoch ab 2011 zurückgeführt werden – spätestens dann werden Mehrzahlungen auf die Kunden zukommen.
Finanzloch trotz erhöhter Zuschüsse
Trotz des erhöhten Zuschusses der Bundesregierung an den Gesundheitsfonds, der dadurch mit rund 15 15 Milliarden Euro bestückt ist, bleibt im kommenden Jahr ein Loch von ungefähr vier Milliarden Euro. Doris Pfeiffer, die Vorsitzende des Spitzenverbandes der Krankenkassen sagte dazu, die Finanzlage der Kassen sei zwar unterschiedlich, aber trotz alldem überall kritisch. Grund für die unsichere Finanzlage sind in erster Linie die steigende Kosten von Ärzten, Kliniken und Medikamenten.
Kritik auch an Gesundheitsminister Rösler
Die aufkochende Kritik richtet sich auch an den neuen Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP). Pfeiffer wirft ihm beispielsweise vor, in der Gesundheitspolitik nicht die richtigen Schwerpunkte zu setzen. Tatsächlich herrscht seit einiger Zeit eine gewisse Unordnung und vor allem eine Unausgewogenheit in der deutschen Gesundheitspolitik, die früher einmal Vorbildcharakter hatte. Es wird immer deutlicher, dass die andauernde Notlösung „Gesundheitsfonds“ nicht mehr zweckdienlich ist. Auf Dauer wird der Zustand der Kassen auch mit Zusatzbeiträgen nicht mehr zu retten sein. Die diesen Sommer in Kraft getretene, politisch motivierte Senkung des Krankenkassenbeitrages ist in Anbetracht der aktuellen Lage völlig unverständlich. Rössler steht nun vor einer großen Aufgabe. Ob er es schafft, eine Neugewichtung und Interessenabwägung im Gesundheitswesen durchzuführen, bleibt vorerst abzuwarten.
Bilder: ©iStockphoto.com/DomenColja

