Die verlängerten Laufzeiten von deutschen Atomkraftwerken werden voraussichtlich an harte Auflagen geknüpft. Im Rahmen der Förderung erneuerbarer Energien werden der Betrieb von Atommeilern sowie die Kohleverstromung für deutsche Stromkonzerne nicht ohne weiteres möglich sein. Das nationale Energiekonzept, das die schwarz-gelbe Koalition bald vorlegen will, wird zudem einen genauen Fahrplan für den Ausbau der erneuerbaren Energien enthalten.
“Internet Marschroute” für den Ausbau der Ökoenergie steht bald fest
Das bereits im Herbst erwartete nationale Energiekonzept soll bald die „interne Marschroute“ für den Ausbau der erneuerbaren Energien sowie die genauen Auflagen für Atom- und Kohlestrom offen legen. Darüber werde die schwarz-gelbe Koalition bald abstimmen, sagte der umweltpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Kauch, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Konkrete Entscheidungen werde es nach der Sommerpause geben. Erst nach den Beschlüssen würden Verhandlungen mit den Stromkonzernen aufgenommen, um den Weiterbetrieb der Atommeiler zu diskutieren. Den Verhandlungen gegenüber steht die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), die Anfang 2012 in Kraft treten soll und unter anderem eine geringere Förderung der Windenergie vorsieht.
Verlängerte AKW-Laufzeiten bringen hohe Profite
Noch sind in Deutschland 17 Atomkraftwerke (AKW) am Netz. Die verlängerte Betriebsdauer bringt hohe Profite für die Stromkonzerne. Unbestätigten Angaben zufolge wollen Union und FDP rund 40 Milliarden Euro aus dem Topf schöpfen und in die Energieforschung stecken. Vor allem neue Speichertechnologien sollen an dieser Stelle von einer Förderung profitieren, denn gelänge es, die erneuerbaren Energien grundlastfähig zu machen, wäre der Grundstein für eine sichere und wetterunabhängige Energieversorgung durch Wind und Sonne gelegt.

Windenergie soll grundlastfähig werden
Schwarz-Gelb muss Drahtseilakt vollbringen
Ob der Drahtseilakt zwischen Ökotrend und Atomprofit gelingt, wird sich bald herausstellen. Eine Lösung, die alle Interessen befriedigt, scheint allerdings kaum möglich. Dennoch wird das nationale Energiekonzept die Grundzüge der künftigen Energiepolitik von Schwarz-Gelb festlegen: Gelänge der Spagat zwischen energetischer Unabhängigkeit und Stabilität, ambitionierten EU-Umweltzielen und profitablen Atommeilern, könnte bald tatsächlich das Ökostrom-Zeitalter beginnen. Zu einer Prognose über den Überbrückungsprozess mit Hilfe der Atomenergie, lässt sich zu diesem Zeitpunkt jedoch niemand hinreißen. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) ist zumindest Folgendes zu entlocken: Die Übergangsdauer zum vollständigen Ökostrom-Zeitalter soll möglichst kurz gehalten werden.
Bilder: ©iStockphoto.com/Deejpilot, AndreasWeber, © fotolia.com/Wolfgang Feischl
