Immer mehr Abgründe tun sich in der Affäre um die krisengeschüttelte Bayern-LB auf. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt nun schon seit geraumer Zeit im Milliardendebakel und will nun endgültig die Wahrheit über den überteuerten Kauf der früheren Tochter Hypo Group Alpe Adria in Erfahrung bringen. Leicht wird das nicht, denn im Verwaltungsrat der Landesbank sitzen hochrangige Politiker und Banker, die sich nicht die Blöße geben wollen.
Staatsanwaltschaft weitet Ermittlungen aus
Die Ermittlungen in der Bayern-LB-Affäre werden ausgeweitet. Das teilte die Staatsanwaltschaft München Mitte der Woche gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) mit. Bisher hatte die Staatsanwaltschaft gegen den früheren Bayern-LB-Chef Werner Schmidt wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Unter seiner Führung soll die Bayern-LB für die frühere Tochter Hypo Group Alpe Adria (HGAA) absichtlich zu viel gezahlt haben. Auf Grund der Ermittlungen sind nun aber weitere Straftatbestände und Personen hinzugekommen, gab die Behörde weiter bekannt. Nun wird noch genauer denen auf den Zahn gefühlt, die vom Kauf der HGAA durch die Bayern-LB am stärksten profitiert hatten. Einer der Beteiligten ist Tilo Berlin, Vermögensberater und ehemaliger Chef der HGAA. Berlin war über eine Investorengruppe bereits 2006 bei der Hypo Group eingestiegen und hatte beim Verkauf der Anteile an die Landesbank zwischen 130 und 170 Millionen Euro eingestrichen.
Befindet sich das bayerische Geld bereits auf den Cayman Islands?
Im Zuge der Ermittlungen wurden Durchsuchungsbefehle für insgesamt sechs Gesellschaften erteilt, die vom überteuerten Kauf profitiert haben sollen. Genaueres hat die Staatsanwaltschaft vorerst nicht bekannt gegeben. Unter anderem sollen aber die Verbindungen der Gesellschaften bis auf die Cayman Islands in der Karibik reichen.

Wer profitierte von der Bayern-LB-Affäre?
Alle sind unschuldig, keiner hat etwas gesehen!
Indes beteuern sowohl Schmidt als auch Berlin ihre Unschuld. Sie hätten vom Kauf der früheren Kärntner Landesbank keine Vorteile gehabt. Nun bleibt zu hoffen, dass die Staatsanwaltschaft München gemeinsam mit dem Ministerium und die bayerische Staatsregierung, die ihrerseits öffentlich Unterstützung versprechen, die Wahrheit aufdeckt. Dabei ist die Luft nicht nur für die womöglich untreuen Banker, sondern auch für den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer dünn. Den bayerischen Steuerzahler hat das Finanz-Drama jedenfalls mittlerweile 3,7 Milliarden Euro gekostet, musste doch die stark in Ost- und Südosteuropa engagierte HGAA notgedrungen an Österreich abgetreten werden. Das beste Zitat zu der Affäre lieferte kürzlich der Klubobmann (Fraktionsvorsitzende) der Sozialdemokratischen Partei Österreichs in Kärnten, Herwig Seiser: Das Debakel sei ein „Amigo-Sumpf“, der trockengelegt werden müsse.
Bilder ©iStockphoto.com/Henrik5000 / ©iStockphoto.com/alexsl
