Vielfach musste die Finanzbranche in den vergangenen Monaten Kritik hinnehmen. Das Verbraucherschutzministerium bemängelt schon länger den Beratungsservice der Banken sowie das Fehlen eines einheitlichen Informationsblattes für Geldanlagen. Auch wird den Banken vorgeworfen, eine absichtlich undurchsichtliche Produktpolitik zu betreiben. Um einer gesetzlichen Regelung, wie von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) angedroht, zu entkommen, wollen nun zahlreiche Finanzinstitute Informationsblätter einführen.
Zahlreiche Banken wollen „Beipackzettel“ einführen
Beinahe alle Großbanken werden nach Angaben des „Tagesspiegel“ eine Art „Beipackzettel“ für ihre Finanzprodukte einführen, der über Chancen und Risiken der Geldanlagen informiert. Unter anderem gehören Postbank, Hypo-Vereinsbank, Deutsche Bank sowie ING Diba zu den ersten Banken, die auf die Aufforderungen aus dem Verbraucherschutzministerium reagieren. Bereits im Sommer letztes Jahres hatte Aigner einen Appell an die Banken ausgesprochen, ihre Kunden besser und übersichtlicher zu informieren – mit mangelhaftem Ergebnis. Das Ziel der Ministerin ist es, dass die Kunden verschiedener Institute die angebotenen Geldanlagen besser miteinander vergleichen können. Ist das Ziel nicht erreicht, sollen die Banken als Konsequenz per Gesetz zu einheitlichen Produktinformationen gezwungen werden.
Ministerium und Branchenverband arbeiten an Mustervorlagen
Das Verbraucherschutzministerium hat bereits eine Mustervorlage entwickelt und wartet nun ab, welche und wie viele Banken nachziehen werden. Währenddessen bastelt der Bundesverband deutscher Banken (BDB) ebenfalls an einem Muster-Produktinformationsblatt, das bis Ende März fertig sein soll. Zudem arbeitet Brüssel an einer besseren Information der Kunden im Finanzbereich. Für den Fondsbereich wird eine EU-Regelung in Kürze in Kraft treten, andere Produktgruppen sollen nachziehen.

Banken im Visier der Verbraucherschützer
Hilfe im Dschungel der Geldanlagen
Verbraucherschützer verlangen weiterhin und auch nach einem Einlenken der Banken ein einheitliches Informationsblatt. Und das zurecht, denn ohne gesetzliche Regelung kann jede Bank entscheiden, welche Informationen den Weg in den Beipackzettel finden. Auch und gerade Form und Anordnung schaffen zudem eine Übersichtlichkeit, die einen noch schnelleren Vergleich ermöglicht. Ob es die Banken schaffen, einer entsprechenden Gesetzesregelung zu entgehen, ist noch unklar. Im Dschungel der Finanzprodukte wäre der Beipackzettel auf jeden Fall eine große Erleichterung für den Anleger.
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