Internet: Google Street View weiter umstritten

Google, Street View, Microsoft, Facebook

Praktisch und rechtlich immer komplexer: Das Internet

In den letzten Wochen hat sich der Widerstand gegen den geplanten Start der Straßenschau „Street View“ von Google erhärtet.  Immer mehr Menschen in Deutschland, darunter auch namenhafte Spitzenpolitiker, beantragen, dass ihr Haus auf der digitalen Landkarte nicht zu sehen ist. Während Google nun die Widerspruchsfristen verlängert, kommen jedoch neue Informationen ans Licht, nach denen ähnliche Foto-Stadtpläne schon vor  geraumer Zeit von Google-Konkurrenten ins World Wide Web gebracht wurden.

Google verlängert Widerspruchsfrist

Google räumt Mietern und Hauseigentümern nun doch eine längere Widerspruchsfrist ein, um sich gegen eine Darstellung ihres Hauses auf einer digitalen Landkarte zu wehren. Die Frist beträgt nun acht anstatt vier Wochen. Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger  begrüßte diese Entscheidung und sagte laut der Nachrichtenagentur dpa, der Schritt sei vor allem gut, um verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Trotz des kleinen Fortschritts plant die Bundesregierung ein Gesetz, das das Abfotografieren in der Bundesrepublik regeln soll. Laut einem Bericht von „Welt Online“ ist das Abfotografieren von Wohnhäusern bei einigen anderen Unternehmen aber längst gängige Praxis, so zum Beispiel der Onlinedienst “Sightwalk” des Kölner Unternehmens Panogate, der ebenfalls per Fahrzeugkamera Großstädte aufnahm. Panogate verpixelt ähnlich wie die anderen Anbieter allerdings Gesichter, Hausnummern und Kennzeichen und kommt Widersprüchen innerhalb einer Woche nach. Während sich die Politiker hierzulande über Google, Facebook und all die anderen aufregen, bleibt ein viel größeres Thema vollkommen unberührt: Das sogenannte Cloud Computing. Laut einem Bericht von „Zeit Online“ werden deutsche Daten auf Geheimservern in den USA gespeichert. Der Datenaustausch zwischen Europa und den USA regelt das Safe-Harbor-Abkommen. Diesem Abkommen gehören neben Google auch Microsoft, Facebook und andere Internetriesen an. Sowohl  in der Rechtspraxis, als auch datenschutzrechtlich soll dieses Abkommen jedoch weit hinterherhinken und darüber hinaus in vielen Fällen gar nicht eingehalten werden.

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Google konnte mal wieder beruhigen

Einheitlicher Datenschutz als vermeintliche Lösung

Vielleicht wäre eine supra-nationale Vereinbarung ein Ansatz, damit bestimmte Regelungen einheitlich angewendet  werden können. Daneben wird oftmals nach mehr Transparenz geschrien. Dann werden großzügig die Fristen verlängert oder Häuser aus der Landkarte gelöscht, und schon sind Politiker und Bürger erst mal wieder still. Dass eine totale Datentransparenz weder von den Unternehmen, noch von den Menschen selbst gewollt wird, ist ebenfalls klar. Denn die Unternehmen hätten massive Probleme, wenn die Nutzer tatsächlich wüssten, wie viele Daten und Informationen über sie im Netz kursieren oder auf geheimen Servern gespeichert sind. Erschreckend ist, dass viele Menschen gar nicht hören wollen, wer was über sie weiß, denn mit einer beängstigenden Gewissheit surft es sich gleich weniger unbeschwert. Mit einem kleinen symbolischen Entgegenkommen verhindern Internet-Multis wie Google, dass sich die Nutzer unsicher fühlen und ihnen nachher den Rücken zukehren könnten. Nachdem Google „good will“ gezeigt hat, ist die Welt also erst einmal wieder in Ordnung.

Bilder: ©fotolia.com/Erick Nguyen, ©iStockphoto.com/Bison

6 Antworten zu Internet: Google Street View weiter umstritten

  1. Lara sagt:

    Mehr als good will ist das auf keinen fall. ich kann leider auch nur zugeben: eigentlich möchte ich es gar nicht wissen, die (wer eigentlich) kennen mich bestimmt in und auswendig.. Trotzdem interessanter beitrag

  2. peter sagt:

    Also ich habe widersprochen und kann alles andere auch nicht verstehen. Bei einer kamera auf dem bahnhof regen sich die leute auf und hier wird die ganze welt ausspioniert und alles ist ok? Wo bleibt das entdecken, wozu fährt man in fremde länder? aber das ist diese totale konsumgesellschaft mit fetten dummen faulen kindern, die nur computer und videospiele kennen. denen wird dann die ersatzerkundung vorgesetzt. “oh schau mal” sagt dann mami und irgentwo im amiland wird gleichzeitig gespeichert, was das zeug hält.die kanzlerin sagt, kein problem, ihr haus kennt man doch schon. so werden die toleranzgrenzen weiter verschoben und jedesmal denkt man, nicht so schlimm.. WERDET DOCH MAL WACH!!!

  3. Rosalie sagt:

    google sei dank, privatsphäre adé!!! aber eigentlich schon lange, das ist nur das sahnehäubchen. big brother is watching you! und was lernen wir daraus? egal, was wir tun, das hat kaum eine bedeutung, der allgemeine trend ist totale digitalisierung. aber schön wiederum, dass sich die politik doch etwas für die verbraucherrechter einsetzt.

  4. Andreas sagt:

    Das Internet wird als Medium zu einer immer größeren Globalisierung führen und die Menschen entfremden. Irgendwann kommuniziert man nur noch über Facebook, Twitter und Google. So gesehen ist Google Street View einfach nur der nächste logische Schritt.

  5. ElMichaJ sagt:

    Dass sich die Politik hier einsetzt ist doch nur Show … um davon abzulenken, dass sie ja selber diese Daten wunderbar gebrauchen können :)

    Wenn Staat oder Konzerne was wissen wollen, dann werden sie es irgendwann tun …

    So war es immer, so wird es immer bleiben…

  6. Volker sagt:

    Ich finde es unglaubelich…Wenn ich da nur an meine Oma oder allgemein an ältere Menschen denke, die vielleicht noch nie online waren, auch nicht wissen, was das bedeutet, denke. Wie soll ich denn meiner Oma ans Herz legen bei google in Berufung zu gehen, wenn sie sich noch nicht einmal vorstellen kann, wie google Street View aussieht. Ich habe mal gelesen, dass es eigentlich anders herum laufen müsste: Google müsste eigentlich individuell nachfragen, ob man damit einverstanden ist. Dem stimme ich voll und ganz zu!

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