Erste-Hilfe-App sendet Freiwillige zu Unfallorten

Erste-Hilfe-App: Info

Eine Erste-Hilfe-App sendet freiwillige Ersthelfer an Unfallorte.

Nach einem Unfall, einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall sind es oft Sekunden, die über Leben und Tod entscheiden. Je schneller Patienten in medizinischen Ausnahmesituationen Hilfe bekommen, desto besser stehen ihre Chancen, einen Unfall zu überleben und keine bleibenden Schäden davonzutragen. Mit einer durchschnittlichen Zeitspanne von 8,5 Minuten, die zwischen einem Notruf und dem Eintreffen des Rettungswagens liegen, ist die deutsche Feuerwehr im internationalen Vergleich sehr schnell. Für viele Menschen jedoch immer noch nicht schnell genug. Bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Versagen sinken die Überlebenschancen mit jeder vergangenen Minute um zehn Prozent – nach 8,5 Minuten bleibt da nicht viel übrig. In Gütersloh schafft eine Erste-Hilfe-App Abhilfe. Die Smartphone-App alarmiert Ersthelfer in der Nähe, um die Versorgung des Patienten bis zum Eintreffen des Rettungsdiensts sicherzustellen.

 

Freiwillige Ersthelfer sind schneller vor Ort als der Rettungsdienst

In Deutschland ist jeder Mensch verpflichtet, in einer Notsituation Hilfe zu leisten. Trotzdem hilft nicht mal einer von fünf, wenn es um die erste Hilfe an Unfallorten geht. Die Erste-Hilfe-App „mobile Retter“ soll nun dafür sorgen, dass ein Ersthelfer lange vor dem Rettungsdienst beim Patienten ist. Die App können sich alle Interessierten herunterladen, die medizinisch qualifiziert sind, also beispielsweise als Krankenschwestern oder Katastrophenhelfer tätig sind. Erreicht die Leitstelle ein Notruf, wird zunächst der Rettungsdienst alarmiert. Gleichzeitig sucht der Computer nach registrierten Ersthelfern in der Nähe des Einsatzortes. Über die Smartphone-App werden diese geortet und mit einem speziellen Signalton auf den Einsatz hingewiesen. Der Ersthelfer kann nun entscheiden, ob er helfen kann oder nicht. Bestätigt er seine Hilfe, ist er aufgrund der räumlichen Nähe meist schneller vor Ort als der Rettungswagen und kann sofort mit Wiederbelebungs- oder anderen Erste-Hilfe-Maßnahmen beginnen.

 

Erste-Hilfe-App für Freiwillige mit medizinischer Qualifikation

In Gütersloh sind aktuell etwa 350 Freiwillige über die Erste-Hilfe-App angemeldet. Überlegungen, die App auch für freiwillige Laien zu öffnen, hält der App-Entwickler für wenig sinnvoll. Obwohl die Freiwilligen eine kurze Schulung durchlaufen müssen, wären freiwillige Helfer ohne medizinischen Hintergrund nicht qualifiziert genug für eine schnelle Hilfe. Für ein ähnliches Projekt in Israel müssen die Ersthelfer eine 200 Stunden umfassende Schulung durchlaufen. In Deutschland umfasst die Schulung nur wenige Stunden. Nachdem es die Erste-Hilfe-App zunächst nur für das iPhone gab, wurde aufgrund der großen Resonanz schnell eine Android-Version programmiert.

 

Nicht nur die App, sondern auch die Kompetenz der Bürger ausbauen

Obwohl jeder Führerscheininhaber einen Erste-Hilfe-Kurs besucht haben muss, nutzen dieses Wissen scheinbar nur wenige, wenn sie wirklich einen Notfall erleben. Die Erste-Hilfe-App ist eine gute Erfindung, um Notfallpatienten schnelle Hilfe zukommen zu lassen. Doch noch besser als eine solche App wäre es, mehr Menschen für Notfälle zu schulen. In anderen Ländern lernen Kinder schon in der Schule, wie sie bei Unfällen helfen können. Dieses Wissen wird immer wieder aufgefrischt und so die Angst vor dem Ernstfall reduziert. Neben einem weiteren Ausbau der App sollte die Sensibilisierung für die Notwendigkeit von schneller Ersthilfe vorangetrieben werden.

 

Mit Material von SPIEGEL ONLINE

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