Gefährdet eine Sonnenfinsternis die Energiewende?

Sonnenfinsternis: Info

Sonnenfinsternis: Energiewende in Gefahr?

Am 20. März wird es voraussichtlich dunkel in Deutschland. Während die halbe (mitteleuropäische) Welt auf dem Weg zur Arbeit ist, macht auch der Mond sich auf die Reise. Seine Intention kennt niemand so genau, aber dass er dabei die Sonne passiert, ist bekannt. Und wenn er sich vor die Sonne schiebt, wird es dunkel, wenigstens ein bisschen. In mitteleuropäischen Breiten ist keine vollständige Sonnenfinsternis wahrnehmbar, aber immerhin rund 80 Prozent der Sonne werden ab etwa 9:30 Uhr vom Mond verdeckt. Während die meisten Menschen dem Spektakel desinteressiert bis gespannt entgegensehen, laufen bei einigen Menschen ob dieses Ereignisses seit Monaten die Köpfe und Computer heiß. Sie sehen durch die Sonnenfinsternis die Energiewende in einem neuen Licht. Sie fürchten den Kollaps des Stromnetzes.

 

Sonnenenergie und Energiewende: Keine gute Kombination

Wenn es nach Expertenmeinungen geht, könnte es in Deutschland nicht nur für die wenigen Stunden der Sonnenfinsternis dunkel werden, sondern auch weit darüber hinaus. In den schlimmsten Szenarien bricht die Stromversorgung vollständig zusammen. Die Stromerzeugung durch Sonnenenergie ist in Deutschland so weit fortgeschritten, dass an sonnigen Tagen ungefähr der halbe deutsche Strombedarf zur Mittagszeit durch Photovoltaikanlagen gedeckt werden kann. Sonnenenergie bildet einen wichtigen Pfeiler in der bundesdeutschen Stromversorgung. Am 20. März bricht dieser Pfeiler plötzlich weg, sodass das Gesamtkonstrukt ins Wanken geraten könnte. Ist an diesem Tag schlechtes Wetter, ist die Sonnenfinsternis unproblematisch. Scheint die Sonne jedoch kräftig, bevor der Mond vorbeischaut, kann dies zu einem ernsten Problem werden. Auf die Unterstützung durch europäische Nachbarn können die deutschen Stromerzeuger nicht hoffen, denn auch bei denen geht ja das Licht aus. Noch problematischer als der Wegfall des Sonnenstroms kann allerdings die plötzliche Rückkehr der Sonne werden. Scheint sie binnen Minuten wieder mit voller Kraft, ist es, als würde man innerhalb von wenigen Augenblicken 20 Atomkraftwerke ins Netz schicken. Dass eine Sonnenfinsternis die Energiewende beeinträchtigen könnte, hat offenbar niemand vorher bedacht. Seit etwa einem Jahr proben Experten daher schon den Ernstfall und hoffen, ausreichend gerüstet zu sein.

 

Wiederholung des abgesagten Millenniumscrashs oder ernsthafte Bedrohung?

Jahrelang diskutiert man über die Energiewende, über alternative Energiegewinnung und sauberen Strom. Und dann widersetzt sich eine Sonnenfinsternis der Energiewende, ohne vorher auch nur gefragt zu haben. Vorgesehen ist so ein Verhalten in der Bürokratie nicht und kommt beinahe einem Aufstand gleich. Leider sehen sich die Verantwortlichen völlig hilflos der Sonne und dem Mond ausgeliefert. Also erdenken sie mögliche Szenarien und erinnern damit ein wenig an die Computerexperten, die 1999 vor dem Millenniumscrash gewarnt haben. Was passierte da noch gleich? Ach ja, nix! Die Rettung vor der vielleicht nie eintretenden Katastrophe könnte möglicherweise Sonnenfinsternis-Promotion sein: Gehen die Leute alle nach draußen, um sich das Spektakel anzuschauen, verbrauchen sie in dieser Zeit nicht den Strom, der durch die Sonnenfinsternis fehlt. Ist das Schauspiel vorbei und der Strom wieder da, wird er auch wieder verbraucht. Mit gezielten Strategien (Freibier, zwei Sonnenbrillen zum Preis von einer) könnten die Menschen aus ihren Büros ins Freie gelockt werden, um so das Stromproblem zu lösen. Eine Alternativstrategie sollte sich allerdings gleich noch damit befassen, was mit Bier und Sonnenbrillen geschehen soll, wenn es an dem Tag wolkig bleibt. Wie das Wetter wird? Mit der Bauernregel „kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist“ dürfte wohl die zuverlässigste Prognose zu treffen sein.

 

Mit Material von welt.de

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