Kreditbewilligung: No Facebook? No Money!

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Kreditbewilligung: Facebook & Co. als Indikator?

Dein Facebook-Profil, dein Twitter-Account, dein Leben – unsere digitalen Fußabdrücke haben sich längst ins ewige Gedächtnis des World Wide Web eingegraben. Dieses enorme Potenzial aus Daten werden sich künftig wohl nicht nur Wirtschaftskonzerne zunutze machen. Onlineexperten gehen davon aus, dass sich auch die Banken der Zukunft an den personalisierten Bits und Bytes laben werden, kurz: Die Kreditvergabe könnte in der Zukunft an digitale Profile geknüpft sein.

 

„Der einzelne definiert sich über den Umgang, den er pflegt“

Ob Facebook, LinkedIn oder Twitter – wir sind lieber mittendrin statt nur dabei. Von unseren digitalen Pendants profitieren Unternehmen wie Google, Amazon und Yahoo bereits seit Jahren, nun könnte auch so manches Finanzinstitut auf den Geschmack kommen. Dieses Szenario liegt für den Finanztechnologie-Experten Gi Fernando durchaus im Bereich des Möglichen, wie er vor kurzem der britischen Daily Mail zu Protokoll gab. Ein Kreditinstitut könne etwa einen digitalen Zugang zu einem bestimmten Social-Media-Account ihres Kunden beantragen: Verfügt dieser über ein stabiles Netzwerk an Kontakten und Freunden? Wechseln die auf dem jeweiligen Netzwerk geschlossenen Freundschaften häufig oder haben sie Bestand? Die Beantwortung dieser Fragen könne die Kreditbewilligung der Bank nachhaltig beeinflussen, so Fernando. Von dieser Offenherzigkeit könne nicht nur das Finanzinstitut profitieren, sondern auch der Kunde – Stichwort „größere Produktauswahl“.

 

Ohne Account in die präsenzlose Minderheit

Was derzeit noch als digitale Utopie durch die Glasfaserkabel dieser Welt geistert, könnte laut Gi Fernando also bald zu unserem täglichen Leben gehören. Was stünde dann jedoch jenen bevor, die nicht mit einer Präsenz in sozialen Netzwerken gesegnet sind, beziehungsweise sein werden? Gi Fernando schätzt, dass Bankkunden ohne digitales Ich in puncto Kreditbewilligung benachteiligt würden, falls seine Vorstellung vom Bankgeschäft der Zukunft wahr würde. Doch auch die soziale Interaktion selbst dürfte dann im Fadenkreuz stehen – immerhin gelte es, Freunde und Kontakte auch dauerhaft zu halten, um nicht sprunghaft zu erscheinen und die Vergabe eines benötigten Kredits zu gefährden.

 

Digitalisieren, personalisieren, profitieren

Längst zählen nicht mehr nur soziale Medien zu den zukünftigen Partnern von Kreditinstituten. Die (un-)freiwillige Fusion könne das Kundengeschäft der Banken darüber hinaus auch personalisieren, so Gi Fernando. Es sei beispielsweise vorstellbar, dass Banken ihre Kreditkarten bald durch Smartphones ersetzen. Diese müssten anschließend lediglich gegen ein Lesegerät gehalten werden, um Waren oder Dienstleistungen zu bezahlen: „Apple betreibt mit EasyPay schon ein solches System. Man scannt mit dem Handy einfach den Barcode eines Produkts, das man kaufen will, und in einer Sekunde gehört es einem.“ Für deutlich wahrscheinlicher hält der Finanztechnologie-Experte allerdings die Verlagerung des Bankgeschäftes auf biometrische Daten: Einmal die Iris gescannt, dazu der passende Fingerabdruck und schon ist Muttis nächstes Weihnachtsgeschenk bezahlt. Anders als Kreditkarten oder Smartphones können unsere biometrischen Daten nämlich nicht verloren gehen und wären damit quasi als Kennwort für das eigene Konto prädestiniert.

 

Innovationen sichern das Überleben

Gi Fernando schätzt, dass vor allem der zunehmende Wettbewerbsdruck Banken dazu zwingen wird, immer schneller auf kommende Innovationen zu reagieren und diese in ihren Arbeitsalltag zu integrieren. Zu den ernstzunehmenden Konkurrenten zählt übrigens auch das Auktionshaus Ebay – das setzt seit kurzem auch auf Finanzdienstleistungen für kleine Unternehmen. Werden zukünftig also Innovationen, „YOLO“ und Handschlag Einzug in die heiligen Hallen der Finanzwelt halten? Immer langsam mit den jungen Pferden. Schließlich zählen Banken nach wie vor zu den konservativen Branchen, gleiches gilt für die damit einhergehende Kreditbewilligung. Ein lockeres Abhängen mit dem liebsten Finanzberater im nächsten Coffee-Shop dürfte also dementsprechend unwahrscheinlich bleiben. Nichtsdestotrotz dürfen wir wohl von einer zunehmenden Digitalisierung unseres Alltags ausgehen – und dazu zählen nun mal auch unsere Bankgeschäfte.

 

Mit Material von FAZ

Bild ©iStockphoto.com/Henrik5000