Marderschäden vermeiden durch tierisches Testessen

Marderschäden vermeiden: Info

Um Marderschäden vermeiden zu können, testen Marder in Niedersachsen verschiedene Materialien.

William und Kate scheuen das Sonnenlicht. Zu voller Leistung laufen sie nachts auf, wenn (fast) alle anderen schlafen. Wer jetzt an das englische Thronfolgerpaar denkt, der irrt gewaltig. Zwar mögen auch diese beiden sich in ihrer Rolle als Eltern die eine oder andere Nacht um die Ohren geschlagen haben, in der Regel dürften sie jedoch eher einer tagaktiven Spezies angehören. Kate und William, um die es hier geht, sind kleine possierliche Steinmarder. Da sie gefunden wurden, als alle Welt der royalen Prinzen-Hochzeit in England zuschaute, wurden er und seine Gattin prompt zu Namenspatronen. Und obwohl Kate und William mit ihren langen, wendigen Körpern, den niedlichen Knopfaugen und den buschigen Schwänzen ausgesprochen putzig daherkommen, entsprechen sie dem Feindbild zahlreicher Autofahrer. Eine Versuchsreihe im Otterzentrum in Hankensbüttel (Niedersachsen) soll dazu beitragen, künftig Marderschäden vermeiden zu können. Dabei wird sich die Nagelust der kleinen Raubtiere zunutze gemacht.

 

Gefräßige Marder? Kabel und Schläuche werden immer wieder zerstört

Marder mögen es gern warm und kuschelig. Und ein bisschen höhlenartige Geborgenheit verachten sie auch nicht. Zum großen Missfallen vieler Autofahrer finden Marder all diese einladenden Bedingungen in Motorräumen von Autos. Und wenn sie schon mal da sind, gehen sie auch gern mal auf Erkundungstour, die neugierigen Marder. Kabel, Schläuche und Dichtungen – nur wenig ist vor ihren spitzen, scharfen Zähnen sicher. Dabei meinen sie es gar nicht böse. Sie sind eben neugierig und müssen alles ausprobieren. Leider nehmen sie dazu nicht die Hände, sondern die Zähne. Doch es zeigt sich, dass auch Marder durchaus unterscheiden, welches Material schmackhaft ist und welches nicht. Eben dies wollen sich die Forscher in „Marderhausen“ nun genauer anschauen, um künftig Marderschäden vermeiden zu können. Die Autoindustrie schaut gespannt auf die Ergebnisse, könnten doch zahlreiche Schäden und auch Unfälle vermieden werden, wenn Schläuche und Kabel nicht mehr Opfer von scharfen Marderzähnen würden. Also hat man den Mardern in ihrer Scheune neben einer artgerechten Marder-Erlebnis-Anlage auch zahlreiche Teile zur Verfügung gestellt, die in Autos verbaut werden. Nach dem großen Testessen soll deutlich werden, was Marder wirklich mögen und was sie verschmähen.

 

Keine Gesundheitsrisiken für die Marder

Etwa 200.000 Marderschäden werden jedes Jahr gemeldet. Diese sind nicht nur teuer, sondern oft auch gefährlich. Für Elektroautos sind sie sogar lebensbedrohlich, denn ein einziger Biss ins falsche Kabel kann das gesamte Auto lahmlegen. Die Frage, wie sich Marderschäden vermeiden lassen, ist also ein Dauerbrenner unter Autoherstellern und Zulieferern. Sie alle unterstützen die tierischen Testesser in Niedersachen, um ihre Vorlieben herauszufinden, damit sie ihnen anschließend lebenslang vorenthalten werden können. Betont wird dabei, dass die verwendeten „Zutaten“ nicht schädlich sind für die Marder. Diese nagen das Material zwar an, fressen es jedoch nicht. Ob sich wirklich ein Material finden lässt, dass die schlauen Tiere nicht mögen, wird die Zukunft zeigen. Bis dahin können sich mardergeplagte Autofahrer ja mal in der Marderanlage in Hankensbüttel umschauen. Nach einem Besuch bei den putzigen Tierchen und einem Blick in ihre frechen Äuglein kann ihnen doch eigentlich keiner mehr böse sein.

 

Mit Material von waz-online.de

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