Mit Kot zur Kaffeefahrt: Bus mit Biogas-Treibstoff im Einsatz

Biogas-Treibstoff: Info

Ein Biogas-Treibstoff aus Fäkalien und Abfall betreibt den „Poo Bus“.

Das Konzept ist löblich: Warum nicht einen Treibstoff aus etwas entwickeln, das man sonst nicht mehr braucht, das nichts kostet, unerschöpflich ist und wenig Schadstoffe produziert? Für das britische Unternehmen Bath Bus war die Sache klar: Fäkalien müssen her. Nun fährt ein kot- und müllbetriebener Shuttlebus Ankömmlinge des Flughafens Bristol in die britische Kurstadt Bath – der BioBus, umgangssprachlich Poo Bus genannt. Wie funktioniert das genau? Und die viel brennendere Frage lautet: Überlebt man eine Autobahnfahrt hinter dem Bus?

 

Fünf Menschen sorgen für 300 Kilometer „grüne Fahrt“

Er sieht aus wie ein Bus, fährt wie ein Bus und heißt wie ein Bus: Der Bath Bus hat eine Vorder- und eine Hintertür, ein Lenkrad und 40 Plätze. Den Unterschied macht der Antrieb, der in diesem Fall mit Biogas erfolgt. Dieses ist aus menschlichen Fäkalien und Müll produziert. Die jährliche „Produktion“ von fünf erwachsenen Menschen ergibt eine Tankfüllung, die für 300 Kilometer ausreicht. Wichtigster Bestandteil des Biogas-Treibstoffes ist Methan. Es wird in den Kläranlagen in Avonmouth in Kooperation mit dem lokalen Wasserversorger Wessex Water, betrieben von der Firma GENeco, produziert. Das Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, Energie aus erneuerbaren Quellen wie Biogas in das Bristoler Gasnetz einzuspeisen.

 

Keine Geruchsbedenken beim Biogas-Treibstoff

Mit den Biofahrzeugen will man die Luftqualität verbessern – geht das mit einem Biogas-Treibstoff aus Fäkalien? Ja, es geht. Der Treibstoff wird durch sogenannte anaerobe Verdauung „hergestellt“, das bedeutet ohne Sauerstoff. Bakterien, die kein O2 benötigen, erzeugen das Biogas, indem sie menschliche Fäkalien zersetzen. Ein Mensch kann so mit seinen Hinterlassenschaften Treibstoff für 60 Kilometer Busfahrt produzieren. Doch der Biogas-Treibstoff kommt nicht in den normalen Benzintank – er lagert auf dem Dach des Busses in großen Tanks. Und das Wichtigste: Das Biogas wird vorher gereinigt. So soll es laut Angaben des Busunternehmens nahezu geruchsfrei sein. Das beruhigt, auch im Hinblick auf einen möglichen Unfall des Kot-Kolosses. Vielleicht lässt sich ja einmal Veilchenduft beimischen.

 

Statt Fahrkartenkauf Geschäft erledigen?

Der Biogas-Treibstoff ist zwar nicht schadstofffrei, mit dem Fäkalien-Antrieb produziert der BioBus aber bis zu einem Drittel weniger CO2 als dieselbetriebene Fahrzeuge. Der BioBus ist daher nicht nur ein umweltfreundliches Fahrzeug, sondern ein wichtiger Schritt zum verstärkten Einsatz regenerativer Energien und zum Gelingen der Energiewende. Vielleicht könnte bald der Biogas-Treibstoff gleich im Bus produziert werden, in dem man ein Klo einbaut? Dann ist jeder mal dran, sonst geht’s nicht weiter. Schon jetzt verfügt der Bus über ein äußerst ansprechendes Design. Fünf Menschen sitzen umgeben von Blümchen zeitunglesend auf der Schüssel. Leider sind genau auf Fensterhöhe die Köpfe mit abgebildet, sonst hätten die Insassen sie selbst stellen können. Hoffentlich auf dem nächsten BioBus.

 

Mit Material von Spiegel Online

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