Parken ohne Parkschein ist in Deutschland ein Schnäppchen

Parkvergehen: Info

Parken ohne Parkschein soll teurer werden, fordert eine Initiative mit einer Petition.

Als Autofahrer hat man es nicht leicht. Ständig muss man sich überlegen, wo man es denn lässt, wenn man mal einen Kaffee trinken, einen Arzt besuchen oder den Einkauf erledigen will. Wie verlockend erscheint da oft die zweite Reihe („sind ja noch zwei Spuren frei“), der Radweg („die fahren sowieso, wie sie wollen und nicht auf dem Radweg“) oder der Behindertenparkplatz („ich bin ja in fünf Minuten zurück“). Und dann immer diese lästigen Parkscheine! Da fährt man extra mit dem Auto zum Shoppen, um keine weiten Wege zu haben und dann muss man auch noch zahlen, um direkt vor der Tür zu parken! Ohne Parkschein geht es doch aber auch, denkt sich da der schlau kalkulierende Autofahrer, meistens kontrolliert ohnehin keiner und die 15 oder 20 Euro fürs Knöllchen rechnen sich schnell.

 

Falschparken ist billiger als Korrektparken

Tatsächlich sind die Kosten in Deutschland für das Falschparken verhältnismäßig niedrig. Im Schnitt zahlen Autofahrer fürs Parken ohne Parkschein oder das Halten in zweiter Reihe 75 Prozent weniger als in anderen EU-Ländern. Der Rücksichtslosigkeit öffnet dies scheinbar Tür und Tor, denn die geringen Kosten laden zu schlechtem Benehmen ein. Dabei sind Falschparker nicht nur gefährlich, sondern vor allem lästig. Kinderwagen und Rollstühle kommen nicht über zugeparkte Übergänge, Radfahrer müssen auf den Gehweg ausweichen, Autos müssen Slalom fahren. Busse und Müllautos kommen schlechter durch und auch Krankenwagen haben es oft schwer. Dabei kann korrektes Verhalten meist anhand eines einfachen Rechenbeispiels für nicht besonders lukrativ erklärt werden. Parken ohne Parkschein kostet 20 Euro, wenn man erwischt wird. Ein Parkschein kostet in der Stunde zwischen einem und drei Euro. In Berlin zahlt man für den Einzelfahrschein im Bus 2,60 Euro. Wird jeder Autofahrer im Jahr zweimal erwischt, lohnt es sich für ihn weder einen Parkschein zu kaufen, noch auf den Bus umzusteigen. Die Initiative Clevere Städte mit ihrem Gründer Heinrich Stößenreuther macht sich nun mit einer Online-Petition für höhere Strafen stark, um das Fahr- und Parkverhalten deutscher Autofahrer zu verbessern. Auch Punkte in Flensburg für Wiederholungstäter fordert die Initiative.

 

Parken ohne Berechtigung

Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind. Rein objektiv betrachtet sind durchaus Parallelen zu erkennen. Beide machen Krach, bei beiden ist das, was hinten rauskommt, nicht schön. Und so wie antiautoritäre laissez-faire-Erziehung bei Kindern derzeit in Mode ist, wird auch das Auto behandelt. Es darf alles, hat wenig Grenzen und ob es die anderen stört, ist egal, solange es sich nur frei entfalten kann. Parken ohne Parkschein ist da noch das kleinste Übel. Immerhin parken Autos, die eigentlich einen Parkschein benötigen würden, wenigstens an einer dafür vorgesehenen Stelle. Nerviger sind all jene, die andere beeinträchtigen. Sei es durch das Parken in zweiter Reihe, wodurch der Verkehrsfluss behindert wird oder diejenigen, die Parkplätze für sich in Anspruch nehmen, die ihnen nicht zustehen. Liebe Autofahrer, geistige Defizite sind keine Behinderung, durch die man Anspruch auf einen Behindertenparkplatz erhält! Kinder im Alter von 8 bis 18, die beim vormittäglichen Einkauf in der Schule weilen, berechtigen einen nicht zur Nutzung von Eltern-Kind-Parkplätzen. Und auch Frauenparkplätze haben durchaus ihre Berechtigung. Dumm nur, dass eine Erhöhung der Strafen nichts bringt, solange niemand da ist, der es kontrolliert. Dabei könnten sich durch die Mehreinnahmen locker die fehlenden Stellen besetzt werden, wenn man sich deutsche Straßen so ansieht.

 

Mit Material von clevere-staedte.de

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