Sind die Deutschen überversichert?

Versicherung: Info

Deutsche und Versicherungen – oftmals werden unnötige Policen abgeschlossen.

Der Deutsche an sich ist pünktlich, militärisch-diszipliniert, völlig humorlos und: hoffnungslos überversichert. Zugegeben, bei den typisch deutschen Tugenden handelt es sich um dreiste Vorurteile, über die sich streiten lässt. Aber die übertriebene Absicherung gegen alles und jeden ist tatsächlich empirisch belegt. 2.219 Euro im Jahr gibt der Deutsche für Versicherungen aus – für durchschnittlich sechs Policen. Dies ergab eine Studie des Bundes der Versicherten (BdV). Fraglich ist allerdings, ob der Bundesbürger an sich über- oder falsch versichert ist bzw. ein Händchen für die Auswahl der richtigen Policen hat. Viele der deutschen Versicherungen seien nämlich unnötig, sagt man sich.

 

Deutsche Versicherte schließen überflüssige Policen ab

Die Versicherungswirtschaft vermutet, dass jeder dritte Deutsche keine private Haftpflichtversicherung hat. Dabei ist das eine der Policen, die eigentlich jeder haben sollte. Dafür sind Smartphone, Drittbrille und Hochzeitskosten-Rücktritt bestens versichert. Sind das die Prioritäten, die die Bundesbürger so setzen? Das würde bedeuten, dass sie lieber die Kosten für einen Brand im Nachbarhaus durch Silvesterböller zahlen würden als die Reparaturkosten für den Brillenbügel. Experten vermuten, dass dort die Mär von der Überversicherung des Deutschen herrührt: Von unzähligen kleinen Policen, die bei Nachbarvölkern nur ein amüsiertes Hüsteln hervorrufen würden, und den sich dadurch anhäufenden Kosten. Diese scheinen in keinem Verhältnis zu ihrem Nutzen zu stehen, da man sie nicht braucht, aber monatlich pflichtbewusst dafür zahlt.

 

Prioritäten setzen: Altersvorsorge statt Glasbruch!

Das Geschäft blüht für die Versicherer: Sie bieten dem Interessenten zusätzlich zur Kaskoversicherung gleich eine Insassenunfallversicherung und natürlich eine Glasbruchpolice mit an – man weiß ja nie, was kommt. Dabei stellen die Kosten einer zerbrochenen Scheibe den Besitzer wahrlich nicht vor den finanziellen Ruin – das tun eher die monatlich zu zahlenden Unsummen. Zur steten eigenen Beunruhigung kommt die Sorge um die Zukunft der Kleinsten: Die Branche verdient mit Spezialversicherungen für den Nachwuchs besonders gut. Ausbildung oder Studium sollen die Kinder ohne finanzielle Sorgen sicher durchstehen können. Kapitallebensversicherungen sind zwar teuer und wenig flexibel, aber Sicherheit geht nun mal vor. Der BdV rät von unnötigen Angst-Policen ab und betont die Notwendigkeit einer privaten Haftpflichtversicherung sowie einer Berufsunfähigkeitspolice. Lebenspartner sollten sich ebenfalls absichern, beispielsweise mit einer Risikolebensversicherung. Alle andere Policen sind Luxusversicherungen, die von der Angst des deutschen Versicherungsnehmers leben. Erstaunlich, dass dieser sich um die materiellen Dinge der Gegenwart weitaus hingebungsvoller kümmert als um seine eigene Absicherung im Alter: Nur 1.076 Euro jährlich investiert er in die Rente, etwa in Form von Lebensversicherungen, so ein Bericht des Versicherungsverbands Insurance Europe (IE). Damit liegt Deutschland abgeschlagen hinter Großbritannien, Frankreich, Italien, Belgien und den Niederlanden.

 

Mit Material von Wirtschaftswoche

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