Social Freezing: Kinder aus dem Eisschrank

Social Freezing: Info

Social Freezing: Eizellen für die Karriere einfrieren lassen.

Eine ältere Dame bringt ein junges Mädchen zur Schule. Das Kind ist etwa acht Jahre alt, ihre Begleiterin wird jeder, der die beiden nicht kennt, für die liebe Großmutter halten, die ihre Enkelin zur Schule begleitet. Doch die Dame ist nicht die Großmutter, sie ist die Mutter des Kindes. Nachdem sie Karriere gemacht, ihre biologische Uhr gezielt ignoriert und auf Kosten ihres Arbeitgebers Eizellen hat einfrieren lassen, zieht sie nun ihre Tochter groß. In einem Alter, in dem andere Leute sich zur Ruhe setzen und den Enkeln beim Laufen lernen zuschauen. Social Freezing nennt sich die Methode, die sich im Silicon Valley bereits großer Beliebtheit erfreut und bei der in fruchtbaren Zeiten Eizellen zur späteren Verwendung eingefroren werden. Auch Facebook und Apple steigen nun in die karriereorientierte Familienplanung ein und finanzieren Mitarbeiterinnen das Einfrieren von Eizellen.

 

Anreize für Familien bei Facebook, Apple und Co.

Schon lange gelten Unternehmen wie Google, Facebook und Apple als Vorreiter für gute Arbeitsbedingungen und familienfreundliche Zusatzleistungen. So haben sowohl Facebook als auch Apple Betriebskindergärten, junge Eltern bekommen mehrere Wochen unbezahlte Elternzeit und Facebook legt zur Geburt noch 4.000 Dollar Kindergeld oben drauf. Üblicherweise bekommen Eltern in den USA weder bezahlten Mutterschutz noch Elternzeit. Trotzdem liegen die Frauenquoten in den Unternehmen nur bei etwa 30 Prozent. Ein weiterer Anreiz, um mehr Frauen ins Karriereboot zu holen, soll jetzt die Finanzierung des Social Freezing sein. Bis zu 20.000 Dollar wollen Facebook und Apple springen lassen, wenn Frauen im gebärfähigen Alter ihre Familienplanung im wahrsten Sinne des Wortes für die Karriere auf Eis legen lassen. Was in Deutschland wie ein schlechter Scherz wirkt, ist in den USA schon seit längerem bittere Realität: Um Karriere machen zu können, lassen immer mehr Frauen im Silicon Valley ihre Eizellen für einen späteren Zeitpunkt einfrieren. In New York finden sogar sogenannte egg-freezing-Parties statt, nach dem Vorbild von Tupperparties. Bei denen können die Damen bei einem Glas Sekt über die Vor- und Nachteile des Einfrierens plaudern.

 

Kind da, Karriere futsch?

Wohlmeinende Stimmen könnten das Social Freezing als guten Schritt in Richtung Vereinbarkeit von Familie und Karriere sehen. Man kann es aber auch als das genaue Gegenteil betrachten. Statt Arbeitsbedingungen zu schaffen, die es wirklich ermöglichen, ohne Karriereeinbußen ein Kind zu bekommen, sollen Frauen das Problem einfach auf später vertagen. Ein Kind zu bekommen, wird immer noch als selbstverständlicher Rückschritt auf der Karriereleiter betrachtet. Um das zu umgehen, sind Frauen immer häufiger bereit, ihre eigenen Bedürfnisse zu verschieben und die biologischen Umstände zu umgehen, statt für verbesserte Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Heute ist es noch ein nettes Angebot an Mitarbeiterinnen im Silicon Valley. In ein paar Jahren könnte es ein Kriterium sein, das darüber entscheidet, ob eine junge Frau eingestellt wird oder nicht. Liebe Alice Schwarzer, es war alles umsonst! Emanzipation adé!

 

Mit Material von n24.de

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