Toiletten-Apps – Oft ein Griff ins Klo

Toiletten-App: Info

Toiletten-App – wer braucht so etwas?

Das waren noch Zeiten, als das stille Örtchen noch ein Rückzugsort war, nach dem man peinlich berührt mit gedämpfter Stimme gefragt hat, um dort dann bemüht geräusch- und geruchsarm seinen Bedürfnissen nachzugehen. Doch vorbei sind diese Zeiten. Toiletten-Apps machen aus der einst diskreten Angelegenheit ein mediales Ereignis, dem die ganze Welt beiwohnen könnte – so sie das denn wollte. Leider hat die Welt niemand gefragt, und so kann es passieren, dass Kumpel Heinz auf Facebook über die Toiletten-App Places I‘ve pooped mitteilt, dass er in Porta Westfalica an der Autobahnraststätte einen Haufen gemacht hat und dass das echt ein erhebendes Erlebnis, jedoch das Klopapier etwas unterrepräsentiert war.

 

Erst ein stilles Örtchen suchen, dann darüber schreiben

Auf diese Toiletten-App hat die Welt nicht unbedingt gewartet, aber manchen Menschen ist eben nichts peinlich. So wird selbst die Darmentleerung digitalisiert und aus einer schnöden Notwendigkeit ein mitteilungsbedürftiges Ereignis gemacht. Anderen Toiletten-Apps könnte man wenigstens eine halbwegs plausible Daseinsberechtigung einräumen, so beispielsweise denen, die öffentliche Toiletten rund um den eigenen Standort anzeigen. Das erspart peinliche Fragerei und schafft Erleichterung im Alltag. Auch über RunPee könnte man sich positiv äußern, wenn man mit einer schwachen Blase ausgestattet ist und nicht mal eine Filmlänge im Kino ohne Pinkelpause durchsteht. Denn RunPee kennt die neuesten Kinofilme und gibt per Vibration eine Rückmeldung, wann ein guter Zeitpunkt wäre, um zum Klo zu flitzen – dort kann man dann auch minutengenau nachlesen, was man in dieser Zeit alles verpasst.

 

Toiletten-App ohne Potenzial und Sinn

Die Toiletten-App Places I’ve pooped ist ideal für all jene, die sonst nichts Interessantes mit der breiten Facebook-Öffentlichkeit zu teilen haben. Wer weder mit atemberaubenden Urlaubsfotos noch mit spannenden Geschichten aus seinem Alltag aufwarten kann, der postet eben, wo er schon überall einen Haufen gemacht hat. Quasi wie ein Reisetagebuch für die Fäkal-Tour rund um den Globus. Auch ein Austausch ist möglich und die Entwickler der App träumen von regen Diskussionen über die besuchten Örtchen. Was sie zu so fragwürdigen Träumen bringt? Die Antwort darauf sind die Entwickler bisher schuldig geblieben. Man traut sich jedoch kaum, dies zu bedauern, denn die Antwort könnte so unappetitlich ausfallen die die App selbst. Fazit der Toiletten-App: Irgendwie ist sie ein Griff ins Klo. Einen Vorteil hat es aber vielleicht doch: Man weiß nun sicher, dass man seine öffentliche Verbindung zu seinem Facebook-Buddy Heinz mal dringend überdenken sollte.

 

Mit Material von computerbild.de

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