Ungeschützte Festplatten in aller Welt liefern interessante Daten

Ungeschützte Festplatten: Info

Ein Informatik-Student fand 190.000 ungeschützte Festplatten.

Als Informatikstudent bekommt man viel zu sehen von der Welt. Manchmal muss man nur ein bisschen suchen. So ist es einem 18-Jährigen gelungen, ein Programm zu schreiben, das nach Festplatten sucht, deren Inhalte nicht geschützt sind. Das was er zu sehen bekommt, ist vielfältig. Auf den ungeschützten Festplatten liegen zahlreiche illegale Blockbuster, eine Musikbibliothek von A bis Z, aber auch Passwortlisten und Bewerbungsunterlagen. Wohlgemerkt waren es nicht etwa Unterlagen, mit denen sich der Besitzer der Festplatte bewerben wollte. Die ungeschützte Festplatte gehört vielmehr zu einem Tochterunternehmen eines deutschen Automobilherstellers und es handelt sich um Bewerber, die in diesem Unternehmen einen Job haben wollten.

 

Passwörter machen aus ungesicherten Festplatten gesicherte

Insgesamt fand Student Pierre Tempel mehr als 190.000 solcher ungeschützten Festplatten, auf denen neben privaten Daten auch umfassendes illegales Datenmaterial gesammelt wurde. Die meisten Laufwerke mit Unmengen an illegal beschafften Filmen befinden sich in den USA, aber auch in Kanada, China, Deutschland und Russland gibt es diverse Festplatten, die ungeschützt am Netz hängen. Dabei ist vielen Nutzern nicht mal bewusst, dass ihre Festplatten, sobald sie ans Internet angeschlossen sind und über keinen Passwortschutz verfügen, jederzeit gefunden werden können. Netzwerkspeicher, auch Network Attached Storage oder kurz NAS genannt, sind sehr beliebt, weil sie einen einfachen Datenaustausch im heimischen Netzwerk erlauben. So können Daten von einem Computer zum anderen transferiert oder etwa gestreamte Filme an den Fernseher übertragen werden. Auf viele dieser Server kann man auch über das Internet zugreifen, sodass der Besitzer seine Daten auch aus der Ferne abrufen kann. Reicht der Passwortschutz nicht aus oder gibt es schlicht keinen, kann auch jeder andere diese Daten abrufen. Der Schlüssel zur fremden Festplatte ist dabei die IP-Adresse. Die muss man entweder kennen oder herausfinden. Programme wie das von Pierre Tempel tun letzteres. Sie spielen in Sekundenbruchteilen mögliche IP-Adressen durch, bis sie einen Treffer erzielen. Ähnlich funktionieren Programme, die Passwörter oder Codes knacken. Dabei ist der Schutz gegen das unbefugte Eindringen von außen ganz einfach: Ein sicheres Passwort verhindert den Zugriff sehr effektiv.

 

Intime Daten auf dem Silbertablett

Da beschweren sich die Menschen über Google, Facebook und andere Online-Dienste, die ihre Daten speichern und Persönlichkeitsprofile anlegen. Vermutlich sind es zum Teil die gleichen Menschen, die ihre ungeschützten Festplatten ans Netz hängen und sich anschließend wundern, wieso die nackten Brüste der heißen Gattin plötzlich auf Facebook auftauchen – woran dann natürlich das soziale Netzwerk schuld ist. Früher mussten sich Spione auf leisen Sohlen an ihre Opfer heranpirschen und vom Dachfirst aus heimlich die Gespräche im Arbeitszimmer belauschen, immer Gefahr laufend, entdeckt zu werden – heute bekommen Spione aus aller Welt die Daten und Informationen einfach auf dem Silbertablett präsentiert. Dabei ist die Leistung des Informatikstudenten jetzt allerdings auch nicht so großartig, wie manche glauben mögen. In ungeschützte Festplatten und Netzwerke haben sich Hobby-Programmierer schon vor 20 Jahren eingehackt. Man kann ihnen nicht mal einen Strick draus drehen. Denn strafbar ist der Zugriff auf fremde Daten nur dann, wenn geeignete Sicherungsmaßnahmen mutwillig überwunden wurden. Wo jedoch nichts gesichert ist, kann auch nichts mutwillig überwunden werden.

 

Mit Material von SPIEGEL ONLINE

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