
Weil der Ausbau der Stromnetze ihre Arbeit auf dem Acker erschwert, fordern die Bauern Entschädigung in Form einer dauerhaften Pacht.
Die deutschen Landwirte wollen für den Ausbau der Stromnetze im Zuge der Energiewende dauerhaft entschädigt werden. Die Arbeit unter den neuen Stromleitungen sei kaum noch möglich, eine Einmalzahlung reiche als Entschädigung nicht aus, nur eine Pacht für die Nutzung ihres Landes sei angemessen. Auch gegen eventuelle Enteignungen wollen sich die Bauern gleich wappnen, sagte der neue Bauernpräsident Joachim Rukwied gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Fragt sich nur, aus welchem Budget die Forderungen der Bauern erfüllt werden sollen.
Netzausbau kostet 20 Milliarden Euro – ein paar Groschen für die Bauern?
Um Deutschland sicher mit Energie aus erneuerbaren Energiequellen zu versorgen, müssen die Hochspannungsnetze bis 2022 um 3.800 Kilometer erweitert werden. Unter den Stromleitungen werde das Arbeiten mit großen Maschinen auf vielen Hektar Ackerland kaum noch möglich sein, so die Bauern. Daher geht Rukwied von einer hohen Bereitschaft zum Protest aus und schließt einen Wutbauern nicht aus. Dabei werden die Kosten für den Aus- und Neubau der Stromnetze auf etwa 20 Milliarden Euro geschätzt. Der Wunsch der Bauern nach einer Entschädigung mag verständlich sein, aber wo soll das Geld für die jährliche Pacht herkommen? Sie werden sagen, im Stromnetztopf müssen doch noch ein paar Groschen für die armen Bauern drin sein. Das wäre auch gerecht, schließlich wird die Landwirtschaft bei aller Liebe zum guten Brot als Wirtschaftszweig schnell mal vergessen.
Wer finanziert den Stromnetzausbau – na Sie!
Gehen wir doch einmal einen Schritt zurück und überlegen, wer den Netzausbau eigentlich finanziert. Vordergründig stammt das Geld aus den Töpfen der Netzbetreiber. Sind die Netze jedoch fertig, werden die verursachten Kosten auf die Netzentgelte umgelegt. Und was glauben Sie, wer die Netzentgelte zahlt? Falls Sie sich wundern sollten – Sie! Jeder Stromkunde in Deutschland zahlt diese Gebühren als Teil seiner Stromrechnung, quasi ohne es zu merken. Neben den Energiebeschaffungskosten und den Steuern sind die Netzentgelte der drittgrößte Posten in Ihrer Stromrechnung. Sagen wir mal, Sie zahlen 25 Cent für die Kilowattstunde bei Ihrem Stromversorger. Mehr als 5 Cent fließen davon in den Netzentgelttopf. Und, sind Sie immer noch der Meinung, die armen Landwirte sollten über die kommenden 50 Jahre Pachtzahlungen erhalten? Ein schlechtes Gewissen brauchen Sie dabei auch nicht zu haben, schließlich liegt Gerechtigkeit im Auge des Betrachters… oder war es Schönheit!?
Mit Material von dpa
Bild © Deutscher Bauernverband





